Allgemein

Kunde vs. Call Center

von Tom Groth

…. GGGRRR ich platze fast vor Wut.

Ich hasse Sprachcomputer! Ich ziehe gerade um und will meine DSL Leitung natürlich mitnehmen. Also rufe ich beim Provider an, die Service-Nummer kenne ich noch. Ich bin im Ausland. Das ist schon der erste Fehler. Also gehe ich auf die Suche nach einem Telefon das mich mit einer dieser beknackten 01810 Nummern verbindet (natürlich zu Hotelpreisen samt 500 Prozent Aufschlag zu den normalen Gebühren).

Dann fragt mich der Sprachkomparse nach einer Kundennummer, die ich nicht habe, und ich werde daraufhin mit zweimaligen PIEPEN bestraft. Im Anschluss verwickelt mich die „sonore freundliche Männerstimme Typ
Manfred“ in einige stumpfe Sprachübungen, verbindet mich zu einem Mitarbeiter, nicht ohne mich vorher gefragt zu haben, ob ich mit der Aufzeichnung des Gespräches einverstanden bin.

JA – Bluddruck steigt.

Dann zu meiner Überraschung ein sehr freundlicher und souveräner Mensch am anderen Ende der Leistung – er hat es gekonnt vermieden die Höflichkeitsfloskeln des Gesprächsbeginn abgelesen klingen zu lassen.

Nun gut.

Ich schildere ihm die Situation. Er kann sich in das System einloggen, ohne neine Kundennummer… Wir checken den neuen Ort nach ISDN- / DSL-Verfügbarkeit – passt. Alles was ich jetzt noch machen muss, ist ein
Formular auszufüllen. Ich kennne das Ding schon, denn daran bin ich gestern bereits gescheitert. Meine Kundennummer, die ein ABSOLUTES MUSS ist, liegt in meiner alten Wohnung in irgendeiner Kiste. Er will mir
das Formular zuschicken, ich lehne dankend ab, denn ich habe es schon, frage ihn aber ob er alle relevanten Daten schon eintragen könnte, so käme ich zu meiner Kundennummer…. Falsch gedacht – andere Abteilung. Ich frage ihn, ob ich jetzt allen Ernstes vier Wochen warten sollte, um dann überflüssigerweise auch noch 600 Kilometer quer durch Deutschland zu gurken? Er hat keine Alternative.

Ich erkläre ihm die Situation nochmals – gereizt. Er beharrt auf seinem Standpunkt – ohne Kundennummer geht nix. Ich drohe mit Kündigung – er beharrt.

ICH WERDE WAHNSINNIG

Kleinlaut frage ich ob er nicht mal kurz die Nummer durchgeben könnte – PAUSE – SCHWEIGEN – dann ein „ja“.
Ich habe die Nummer, die anscheinend für diesen DSL-Leitungsladen wichtiger ist als mein Name. Jetzt kann ich das Formular ausfüllen….

Ich will Netzwerkidentität. Einfach einen persönlichen digitalen Platz auf dem ich sicher, ganz persönlich für mich, diese ganzen Kundennummern ablegen kann. Dann sage demnächst am Telefon zu einem Call-Center-Mitarbeiter: „Wie ist die Lieferantenummer Ihres Hauses nochmal….“

Mehr lesen:

4 Replies

  1. Dazu brauchts nicht mal ein Call Center. Ich hatte vor kurzem so eine Debatte mit meiner Bankberaterin. Ich wollte lediglich die Adresse ändern, damit die Korrespondenz an einen anderen Briefkasten gesendet wird. Ich hatte keine Zeit, zur Bank zu gehen, aber: Das geht nicht, wir brauchen Ihre Unterschrift. Online und per TAN? Nein, das geht leider nicht, Sie müssen schon vorbeikommen. Um eine Adresse zu ändern? Wo leben wir eigentlich?

  2. OHH, das kenne ich von der dt. telekom, dieser drecksverein. ich habe da schon stunden in der leitung verbracht, mit den gleichen gedanken wie du, und purer hass durchfleißt meinen körper wenn ich nur die begrüßung von denen höre.

  3. Nun habe ich zwar selbt von berufswegen (betreibe selbst ein Telemarketing-Unternehmen) ein gewisses Verständnis für Call-Center-Mitarbeiter, habe aber dergleichen manigfach erlebt.

    Verantwortlich für die Misere ist aber wohl keinesfalls der 6Euro-49-Verdiener am anderen Ende der Leitung, sondern vielmehr der zuständige Produktmanager, Controller (irgendein Theoretiker halt).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.