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Personality PR für Jürgen Klinsmann #1

Ich kann’s nicht mehr hören und lesen. Alle hacken auf Jürgen Klinsmann rum. Und haben scheinbar vergessen, dass Klinsmann sich damals bereit erklärt hatte das Ding zu übernehmen, als alle anderen bereits entnervt abgewunken hatten. Sogar eine Trainerfindungskommission hatte man eingesetzt.

Dann hat Klinsmann seine Bedingungen verhandelt und eine war eben: Er bleibt in den USA. Das scheint damals keinen gestört zu haben. Und eigentlich sollte man das Ganze auch eher als Zeichen der Flexibilität sehen. Videoconferencing kann er schließlich auch, wieso soll er immer kommen. Hier ist das Wetter sowieso Scheiße. Auch wenn die Deutschen gerne leiden und alle mitleiden sollen: Ich kann den Jürgen verstehen, dass er lieber in Kalifornien ist am wohlverdienten Wochenende. Und jetzt noch das mit dem Kahn. Also wirklich: Erst schreien alle, vor allem die Bayern, er solle jetzt endlich entscheiden, dann tut er ihnen den gefallen, und das ist dann auch wieder nicht recht – weil: Ja, er hat die falsche Entscheidung getroffen. Beim Fußball ist es eben wirklich so, dass alle Experten sind, vor allem die, die sich eben nicht der Verantwortung gestellt haben. Deshalb finde ich: Der Klinsi braucht Personality PR. Und die beginnen wir jetzt einfach mal mit der Herausarbeitung seiner wichtigsten positiven Merkmale:

Flexibel: Jürgen Klinsmann macht alles neu. Er lebt in den USA und arbeitet in Deutschland. Soviel Flexibilität würde ich mir von manchem wünschen, dann hätten wir weniger Probleme in diesem Land.

Offen: Jürgen Klinsmann lässt auch mal andere was sagen. So wollte er einen ehemaligen Hockeytrainer mit ins Boot beim DFB holen. Warum auch nicht. Ist doch auch ein Ballsport.

Innovativ: Der Jürgen ist ein klassischer Early Adopter. Videonconferencing? Her damit! Das macht ihm so schnell keiner nach. Mehr Poweruser dieser Art könnte die Industrie wirklich gebrauchen.

Hart im nehmen: Ganz ehrlich: Ich würde nicht einmal die Woche von den USA hin- und herfliegen wollen. Das fände ich schon echt hart. Nicht so der Jürgen.

Und beim nächsten mal geht es dann ums Agenda Setting vom Jürgen.

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6 Replies

  1. Und wie einfühlsam unser Trainer ist…..hat er doch die Entscheidung gegen Kahn direkt vor dem wichtigen Spiel der Bayern gegen Werder Bremen gefällt. Und da hat’s ihm das 3:0 für Bremen wieder bewiesen, dass sein Jens doch der bessere Torwart ist. Cheers!

  2. Richtig, immer meckern alle nur. Aber wer würde den Job wirklich besser machen? Wenn es seinerzeit einen offensichtlich besseren und verfügbaren Kandidaten gegeben hätte, wäre der doch wohl Bundestrainer geworden.

  3. Ob Kahn oder Lehmann ist für mich nicht die Frage. Eine Entscheidung für Kahn wäre sportlich genauso vertretbar gewesen wie die für Lehmann. Und das 0:3 der Bayern in Bremen am Wochenende hält genauso wenig als Beweis dafür her, dass Lehmann besser ist wie umgekehrt das 0:2 von Lehmanns Klub Arsenal gegen ManU. Beide Keeper blieben nach einhelliger Meinung fehlerfrei. Was mich viel mehr erstaunt und anwidert ist, wie der Boulevard mit Klinsmann umgeht. Da gibt es keine sachliche Kritik mehr, sondern nur noch Haßtiraden unter die Gürtellinie. Da wird von der Springer-Presse kolportiert, dass wirtschafltiche Verbindungen zwischen Lehmann und dem Nationalmannschaftsmanager Bierhoff eine Rolle gespielt hätten und ähnliche halbseidene und unbewiesene Vorhaltungen. Beim Konsument soll der Eindruck haften bleiben, als hätten Im Endeffekt keine sportlichen, sondern vielmehr niedere, wirtschaftliche Beweggründe den Ausschlag gegeben. Bild und Co. prügeln gnadenlos auf alles ein, was von der von ihnen gesetzten Spießer-Norm abweicht. Besonders schlimm trifft es die, die ihr Glück im Ausland suchen und finden und denen mehr oder wenig unterschwellig Vaterlandsverrat vorgeworfen wird. Das selbe Phänomen war schon im „Fall“ Susanne Osthoff zu beobachten.

  4. Schön auch, Karsten, wie Du den BildLESER einfach mal KOSUMENT nennst. Denn darum geht es. Ich empfehle auch allen, die es nicht mehr ertragen mögen, dass Journalismus vielerorts nur noch reines PRODUKT ist, den tollen neuen Clooney Film „Good night, and good luck.“.

  5. Na ja, BildLESER geht einem irgendwie nicht so leicht von den Lippen, bzw. von den Fingern in die Tastatur ;-). „Good night and good luck“ ist wirklich empfehlenswert und zeigt, dass es früher auch nicht leichter war, sich gegen die herrschende oder zumindest durch Massenmedien vermittelte Meinung zu stellen.

  6. Ich kanns auch nicht mehr hören und lesen, komme aber zu einem anderen Schluss. Es hätte seinerzeit eine ganze Reihe qualifizierterer Kandidaten gegeben, die jedoch einfach nicht gefragt wurden, weil man in der Otto-Fleck-Schneise offenbar Angst davor hatte einen Trainer anzustellen der evtl. keine großen internationalen Erfolge vorweisen kann. Ich sach ma: Hans Meyer (da erkennste in jedem Spielzug seiner Teams, dass der Mann nicht nur Mannschaften aufstellen sondern ihnen sogar ein Konzept vermitteln kann), Peter Neururer (kein Bäckergeselle dafür aber Akademiker und sicher Fachmann), Wolfram Funkel, Wolfgang Wolf … Jeder Bundesligatrainer wäre eine bessere Wahl gewesen als der Teilzeitmachiavellist und Bäckergeselle „Jay Goppingen“. Aber sowas kommt halt raus, wennste den Weg des geringsten Widerstandes gehst.

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