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Ganz nach dem Geschmack Amerikas

Ganz zaghaft habe ich zu Anfang der WM in meinem Wohnzimmer eine schwarz-rot-goldene Fussball-Girlande und ein paar deutsche Tischfußballflaggen aufgehängt und aufgestellt. Jede laute Zur-Schau-Stellung meines Deutschtums habe ich bis jetzt vermieden – aus guten und historischen Gründen.

Hier in Amerika ist dieser Scham vor Patriotismus und seiner Auslebung natürlich vollkommen fehl am Platz. Schon seit dem Memorial Day von einigen Wochen, an dem Amerika seine Kriegsveteranen feiert, sind die Straßen und Parks sowie viele einzelne Häuser mit winzigen, kleinen, großen und riesigen Flaggen- und Flaggenvarianten dekoriert. Letzte Woche war Flag Day und PR-Bloggerin Kami Huyse, die an diesem Tag Geburtstag hat, rief dazu auf den Flaggentag zum Feiertag zu machen. Und vom 4th-of-July-Wochenende gany zu schweigen – die vielen Umzüge, die an ganz Amerika stattfinden, strotzen nur so vor weißen Sternen auf blauem Hintegrung gepaart mit roten und weißen Streifen. Bloggen würde darüber keiner, denn hier ist das ganz normal.

Ein Kollege, der weiß, dass ich schon seit Wochen der WM entgegenfiebere, hat mich diese Woche ganz verwundert gefragt, warum ich kein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer in meinem Büro habe. Ein Blick in seine Augen verriet, dass er keine meiner Erklärungen verstehen würde. Also habe ich etwas geschwindelt und ihm erzählt, dass mein Wohnzimmer zu Hause dafür in Deutschland-Memorabilia erstickt. Da war er zufrieden und beglückt.

Denn sein Bild von Deutschland ist geprägt von den vielen schwarz-rot-goldenen T-Shirts, Shorts, Hüten, Perücken, Kriegsbemalungen, Rasseln, Stirnbändern, Armbändern, Fahnen und Flaggen in allen Größen, die er im Fernsehen in den deutschen Stadien und Straßen sieht. Was er da sieht ist ganz nach seinem amerikanischen Geschmack!

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