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Hansel-Mieth-Preis 2008: Geht raus und schaut hin

„Der Tod reißt an Herrn Yang, auf dem Treppenabsatz drückt er ihn zu Boden.“ Es ist mucksmäuschenstill, als am Donnerstag Abend im Rathaussaal von Fellbach die Reportage der Preisträger vorgelesen wird. Fesselnd berichtet sie von Chinas Wanderarbeitern, die beim Steineschleifen für Schmuck für Europa und die USA krank werden. Walter Bauer (Text) und Daniel Rosenthal (Fotografie) hatten den Mut, in die „Knochenmühle“ (Titel der Reportage) zu fahren und die Geschichten der Arbeiter zu erzählen. „Die Begegnung mit Menschen“, sagt Frank Meyer, Chefpublizist im Ringier-Verlag, bei seinem Festvortrag, „ist das Glück des journalistischen Lebens.“ Nicht der Laptop-Journalismus mit der virtuellen Leichtigkeit, die uns vom Geschehen entfernt und auch nicht der embedded Journalismus, der sich mit den Mächtigen in Talkshows und im Kanzlerflieger trifft, bringt uns der Wirklichkeit nahe. „Wir müssen die Sphäre der Globalisierung verlassen und die Nase in das Konkrete stecken“, dann finden wir Geschichten, die fesseln und bewegen.

Zum zehnten Mal hat die Agentur Zeitenspiegel den Preis verliehen. Zum Gedenken an die Fotografin Hansel Mieth, die im schwäbischen Fellbach aufwuchs und in den dreißiger Jahren vor den Nazis in die USA flüchtete. Dort zählte sie zu den bedeutendsten Fotoreportern. Unsere Agentur Storymaker, die den Reportern von Zeitenspiegel freundschaftlich verbunden ist und manches Projekt mit ihnen stemmt, fördert den Preis.

Warum wird eine PR-Agentur Hauptsponsor eines Reportagepreises? Geschichten berühren, weil sie echt sind. Die Geschichten, die wir in der PR-Arbeit über Wirtschaft und Unternehmen erzählen, erfordern weniger Mut. Aber auch hier gilt, dass der Leser, der Kunde, der Mitarbeiter spürt, ob PR nur der Informationslieferant ist oder gar ein Wunschbild transportiert, oder aber das Geschriebene mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Im Unterschied zu vielen Reportern, die inzwischen ohne Auftrag einer Redaktion auf eigene Faust recherchieren, arbeiten wir in der bequemen Situation, dass wir für unsere Leistungnen beauftragt und bezahlt werden. Es gibt noch einen anderen Grund, weshalb wir den Preis fördern: In der Unternehmenskommunikation geht es um die Vorteile der Globalisierung, die es zweifelsfrei gibt. Aber es gibt eben auch die Schattenseiten und die Menschen, die in der Geld getriebenen Welt keine Stimme haben. Gerade Unternehmen, die in China investieren, dürfen die Augen vor solchen Geschichten wie des Herrn Yang nicht verschließen. Wir zollen den Reportern großen Respekt.

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