Digitale Kommunikation·Social Media

Twitter-Tool-Denke am Ende – erst Inhalt, dann Kanal

Twittertwittertwitter. Kaum ein Thema ist in den letzten Wochen so häufig in PR-Agenturen und zwischen „Medienprofis“ diskutiert worden, wie unser aller liebster Microblogging-Dienst. Ja, ich bin auch begeistert von Twitter, microblogge inzwischen sogar über zwei Accounts. Aber: Ich sehe auch die Gefahr, die gerade in der Kommunikationsbranche entsteht: man fängt an sich auf Tools zu konzentrieren. Und die Inhalte geraten dabei allzu gerne in Vergessenheit.

Bevor jetzt gleich der Proteststurm losgeht, möchte ich meine Haltung kurz ein wenig genauer erläutern: Ein Grund für die Tool-Denke liegt aus meiner Sicht darin, dass wir hierzulande allzu zaudernd mit neuen Möglichkeiten umgehen. Jede neue Technologie oder Kommunikationsform – seien es jetzt Blogs, Xing oder Twitter – wird allzu lange kritisch beäugt, anstatt sie einfach nach Erreichen einer kritischen Größe freudig anzunehmen. Das führt dazu, dass sehr lange über das Instrument diskutiert wird und irgendwann in Vergessenheit gerät, dass dieses doch vor allem dazu da ist, unsere Inhalte zu transportieren. Die Folge: Es geht um „Twitter“. Nicht um die Inhalte, die ich über dieses Instrument nach außen gebe. Es geht um „Follower-Zahlen“, nicht um die Substanz der Kontakte, die ich über Twitter pflegen kann. Wir reden über Twitter-Monitoring, über Multi-Account-Management, über das Managen von vielen hundert Nachrichten pro Stunde. Aber wir reden kaum über die Inhalte, die wir ins System geben. Deshalb entsteht außen der Eindruck, dass über Twitter entweder nur Unsinn vermittelt oder aber alter Wein in neue Schläuche gegossen wird.

Und nun? Aus meiner Sicht sollten die PR-Profis schauen, dass wir die ersten Schritte in Twitter möglichst schnell hinter uns lassen. Wir sollten uns nicht mit weiteren hundert Zusatz-Tools befassen, die uns das Management unserer Twitter-Aktivitäten vermeintlich erleichtern, sondern wir sollten zusehen, dass wir uns als Kommunikations-Experten wieder um das kümmern, was wir eigentlich tun sollten: Die Geschichten und Themen unserer Kunden nach außen vermitteln. Dabei muss Twitter künftig eine wichtige Rolle spielen. Aber: Der Inhalt ist immer noch wichtiger als der Vermittlungsweg.

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2 Replies

  1. Sehr richtig! Ich glaube aber, in jüngster Zeit beginnt die Kommuikationsbranche gerade umzudenken. Gerade einige Viel-Twitterer aus der Branche haben die Zahl ihrer Friends radikal auf unter 300 oder 200 gedrückt, auch wenn dadurch auch die Zahl ihrer Follower rapide zurückgehen wird. Und bei Popkulturjunkie gab es vor kurzem eine Debatte, ob die Twittercharts künftig noch nach der Zahl der Follower gerankt werden sollen. Auch ein Indiz, dass Qualität wieder vor Quantität stehen soll. -> http://www.popkulturjunkie.de/wp/?p=4207

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