Allgemein·Digitalisierung

Whatever Happened to „Multimedia“?

Gegenwärtig stellen wir uns unter Multimedia vor allem YouTube-Videos vor. Der Begriff ist inzwischen derart eng mit Bewegtbildern oder Flash-Animationen verknüpft, dass es schwer fällt, sich von dieser Definition freizumachen. Dabei stand „Multimedia“ in den 60er Jahren, in denen der Begriff geprägt wurde, für etwas ganz anderes: Das Zusammenbringen von bildender Kunst, von Musik, Performance, Kino, Tanz und vielem mehr. Die Protagonisten der Counterculture dieser Zeit – John Cage, Andy Warhol, Merce Cunningham und viele andere – bemühten sich darum, die überholten Grenzen der Trennung in Kunstbereiche und Genres aufzubrechen, eine Einheit im Ausdruck zu erzeugen. Auch die frühen Revolutionäre der Computerbewegung und begründer der Cyber-Kultur waren bereits mit an Bord.

Heute steht Multimedia leider sehr viel eingeschränkter für „Bild und Ton“ und vielleicht noch „Animation“. Die Vielfalt des Begriffs ist verschwunden, der Ansatz in den Rechner verbannt worden. Eigentlich schade, denn die Happenings der Avantgarde der 60er und 70er Jahre hatten sicherlich einen großen Unterhaltungswert und rissen Gedanken auf. Aus den Ansätzen der Vorreiter ist die technologische Revolution der vergangenen Jahre hervorgegangen. Nur: Die meisten von uns wissen von den Wurzeln, dem Kern der Entwicklung viel zu wenig.

Ein Weg das zu ändern ist: „Suchen“. Und das war sicherlich ein Motiv für Nadia Zaboura und mich, auf der CeBIT den relativ frei gesetzten Rahmen einer Lesung auf dem Webciety-Stand zu nutzen und einfach einmal loszulegen. Mit einer eigenen Interpretation des Mash-Up-Gedankens, der Lesung und der Nutzung eines iPhones. Das offizielle Video der Webciety dazu gibt es hier auf der zaplive.tv-Seite.

Und einen Bootleg via YouTube:

Mehr lesen:

4 Replies

  1. Bevor Dada da war war Dada da.
    Und nachdem Dada da war, ist Dada wieder da. In Hannover.
    Eine kleine Sequenz wenigstens aus Kurt Schwitters´ „Anna Blume“ hätte ich wenigstens in den Text eingebaut! Als Reminiszenz sozusagen.
    Ansonsten: TOLL! Vive Rasta!!

  2. Ich habe eure Performance via Live-Stream verfolgt und muss ehrlich zugeben, dass ich sie nicht mit dem Begriff Multimedia in Verbindung gebracht habe. Multimedia ist für mich etwas anderes. Multimedia ist für mich eher, wenn in einem rechnergestützten System integriert mindestens ein kontinuierliches (z.B. Audio) und ein diskretes (z.B. Text) Medium gegenseitig manipulieren und dadurch z.B. etwas Neues entsteht. Aber vielleicht sind meine Anforderungen diesbezüglich zu technisch angesiedelt. Denn grundsätzlich teile ich die Kritik an der undifferenzierten Verwendung des Begriffs Multimedia. So wie er im Allgemeinen verwendet wird, ist er zu einem Buzz-Word verkommen. Was sicher schade ist.

  3. @Zellmi – Multimedia war ein Ansatz, das andere war Remix/Mashup. Aber der Begriff „Multimedia“ kommt – wie oben geschrieben und auf den entsprechenden Bereich in der Wikipedia verlinkt – eben aus den Swinging 60s aus einer anderen Ecke. Auch die Shows der frühen Pink Floyd mit Filmprojektion etc. wurden damals als „Multimedia“ bezeichnet.

    Zu unserer Performance: Der Text war ein Kapitel aus dem Buch DNAdigital. Dieses wurde im Verlauf des Textes um immer mehr Worte „bereinigt“. So dass zunehmend Platz war, dass Sound und Wort zusammenfließen können. Allerdings waren wir weit davon entfernt, den Ansatz perfekt durchgezogen zu haben. Dazu war zu wenig Vorbereitungszeit und das Ganze zu spontan. Aber es wird mit Sicherheit eine Fortsetzung geben.

  4. Ich denke, „Multimedia“ kann man/frau nicht einfach definieren – inzwischen ist Multimedia ein Oberbegriff für viele verschiedene Arten von Anwendungen.
    Ich beziehe Multimedia nicht gleich auf Flashanimationen auf Websites, sondern frage dann immer nach, was genau jetzt der Kunde oder der Gegenüber sich unter Multimedia vorstellt.
    Manchmal kann Multimedia für ihn sein, dass er eine digitale Version eines Flyers, Magazins oder Videopodcasts meint.

    Eure Performance auf der Webciety-Bühne fand ich klasse – muss ja auch nicht perfekt sein, sondern ich finde gerade das „Spontane“ macht vieles erst interessant.
    Weiter so, bin gespannt, was die Zukunft für technische Feinheiten/Spielereien für uns bereit hält. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.