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Mit Aliens sprechen – ein ausführliches Interview

In der heute erschienenen Ausgabe unseres Agentur-Newsletters Storyletter findet sich ein Interview mit Dr. Michael Schetsche, Abteilungsleiter am Freiburger Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, zu Kommunikationssituationen beim hypothetischen Zusammentreffen von Menschen und Außerirdischen.  Da das Thema spannend und das Telefonat mit Herrn Schetsche sehr ausführlich ausgefallen ist, haben wir in unserem Newsletter nur eine verkürzte Version veröffentlicht. Die komplette Geschichte findet sich hier:

Herr Dr. Schetsche, wenn ich einem Alien auf der Straße begegne, wie soll ich versuchen Kontakt aufzunehmen?

Die Frage ist spannend, denn sie ist sehr voraussetzungsreich. Voraussetzung ist, dass ich diesen Außerirdischen als solchen erkennen würde. Und das ist sehr zweifelhaft. Wir sind durch Fernsehen und Filme darauf getrimmt, dass uns Außerirdische recht ähnlich sein müssen. Etwa in RAUMSCHIFF ENTERPRISE. Diese Aliens sehen fast alle aus wie wir: Zwei Arme, zwei Beine, Augen am rechten Platz. Das führt uns allerdings sehr in die Irre. Reale Außerirdische, die wir treffen könnten – vielleicht nicht auf der Straße, aber irgendwo im Weltraum – wären vermutlich extrem fremdartig. Man würde nicht erkennen, dass es sich um einen Außerirdischen handelt, dass es sich überhaupt um ein Wesen handelt. Was die meisten gängigen Science-Fiction-Klischees mit sich bringen ist eine Verwechslung des „maximal Fremden“, wie wir das soziologisch nennen, und dem „kulturell Fremden“. Denn diejenigen, die den Protagonisten in klassischen Science-Fiction-Filmen und -Serien gegenüber treten verhalten sich doch meist eher wie die Angehörigen einer Fremden Kultur. Es gibt ein paar Einstiegsprobleme, aber im Grunde kann man sich doch schnell ganz gut verständigen. Das ist ein recht falsches Bild. In einer realen Konfrontation wäre alles deutlich unverständlicher. Das Treffen würde uns verwirren.

Ein wenig wie der Ozean von SOLARIS, ein Ozean, der in einer unverständlichen Art von Intelligenz beseelt ist?

Ja genau. Das Buch von Stanislaw Lem – und dessen Verfilmungen – gehört sicher zu den Ausnahmen. Wir finden in der Literatur auch eine große schwarze Wolke, es gibt einen dunklen Monolithen, der einem erst mal gar nichts sagt…

…wie in Stanley Kubricks 2001 – ODYSSEE IM WELTRAUM

…genau. Hier geht es tatsächlich um eine komplett fremde Entität. Und dann treten wirklich aus wissenschaftlicher Sicht interessante Konstellationen und Problemlagen auf. Da weiß man erst mal gar nichts. Können die anderen überhaupt kommunizieren? Besitzen sie Kommunikationskanäle? Können wir diese erkennen? Stellen Sie sich vor, die Außerirdischen würden kommunizieren, indem sie kleine, radioaktive Partikel austauschen. Das wäre dumm für uns. Denn wir haben keine entsprechenden Rezeptoren. Das heißt, wir können nicht kommunizieren. Das wären also die wirklichen Probleme: Können wir uns erkennen und haben wir einen gemeinsamen Kommunikationskanal.

Wieso befassen Sie sich als Wissenschaftler überhaupt mit derart abseitigen Fragestellungen? Ist die Problemstellung nicht sehr hypothetisch?

Zunächst: Die Existenz von Außerirdischen und das Zusammentreffen sind zwar hypothetisch, aber man sollte auf den Fall der Fälle vorbereitet sein. Das hängt damit zusammen, dass sich das astronomische Weltbild ja auch stark verändert hat. Wir haben in den letzten 20 Jahren in diesem Bereich eine Revolution erlebt. Unsere Milchstraße enthält vermutlich mehrere Milliarden Planeten, die um Sonnen kreisen. Außerdem wissen wir heute von der Erde, dass sich selbst in den entlegensten Gebieten, in der Tiefsee, in Schwefelkratern und Vulkanen, im Eis der Antarktis, Leben entwickelt hat. Wo Leben auch nur irgendwie vorstellbar ist, da scheint es zu existieren. Die Biologie meint heute, dass eigentlich überall Leben gibt, wo minimal sinnvolle Rahmenbedingungen dafür existieren. Wenn man also die biologischen, astrobiologischen und astronomischen Erkenntnisse zusammennimmt, dann ist die Wahrscheinlich für Leben außerhalb der Erde sehr hoch. Ob dieses Leben auch intelligent ist, das wissen wir nicht. Aber die Möglichkeit besteht, dass es schon in unserer Milchstraße intelligente Außerirdische gibt, auf die wir treffen können. Als Soziologe weiß ich, dass solche Erstkontakte für Zivilisationen äußerst schwerwiegend sein können. Deshalb ist es sinnvoll sich damit zu beschäftigen.

Wie definieren Sie denn hier „intelligentes Leben“?

Das ist ein großes Problem. Für die Frage der Kommunikation ist etwas wie objektive Intelligenz vielleicht erst einmal gar nicht notwendig, sondern eher der Zuschreibungsprozess, also die Frage: Sehe ich ein Wesen als etwas an, das ich als Kommunikationspartner akzeptiere, mit dem ich Informationen austauschen kann. Es gibt seit etwa 30 Jahren eine Debatte zum Thema: Wie intelligent sind Delfine. Und alle 5 Jahre gibt es eine andere Idee. Wir wissen es aber nicht. Denn: Delfine leben in einem ganz anderen Lebensraum. Mit Außerirdischen ist vor allem entscheidend: Wir hoffen auf einen Kommunikationspartner. Wesentlich für Kommunikation: Den Anderen als kommunikationsfähig interpretieren.

Ist das nicht die Grundvoraussetzung für jede Form von Kommunikation?

Ja, und das ist der zweite Grund, warum ich mich mit dem Thema befasse. Durch die Betrachtung unseres Umgangs mit dem „maximal Fremden“ lernen wir viel über uns hier auf der Erde. Etwa Themen wie interkulturelle Kommunikation. Was sind überhaupt die Voraussetzungen, damit wir in Kommunikation miteinander kommen. Ist es nur ein sprachliches Problem? Hilft eine Übersetzungsmaschine? Kann sein, muss aber nicht, da Normen, Weltbilder und die Moral eventuell eine viel größere Rolle spielen. Wenn ich zum Beispiel Tabus verletze, nicht zwangsläufig etwas mit Sprache zu tun. Aber es kann zu großen Problemen führen. Was muss ich also über den anderen wissen, damit Kommunikation wirklich funktioniert? Wie kann ich mit dem Fremden interagieren? Spannende Aspekte liefern solche Überlegungen auch für die sogenannte Xenophobie-Forschung, die sich mit der Frage befasst, wieso wir überhaupt Angst vor dem Fremden haben. Warum greifen wir zur Waffe, wenn wir etwas nicht kennen? Für solche Fragestellungen hilft es, das Gedankenspiel auf einen Außerirdischen zu übertragen. Aus dieser ganz schwierigen Grenzsituation heraus kann man viel einfacher die Frage stellen, warum es manchmal so schwer ist, hier auf der Erde interkulturelle Kommunikation zu gestalten

Das heißt, es handelt sich bei dem Außerirdischen auch um ein Symbol für Fremdheit, für den Anderen, für das Du an sich?

Man beschreibt einen Rahmen, um sich hier neu Gedanken zu machen. Wobei man vieles bei Außerirdischen natürlich nicht auf menschliche Verhältnisse übertragen kann. Das muss einem auch klar sein. Einen intersubjektiven Raum wird es zum Beispiel eher nicht geben, denn dieser scheint mir für Angehörige gleicher Spezies relativ exklusiv zu sein. Die Voraussetzungen unserer Kommunikation auf der Erde sind ja: Wir leben prinzipiell in einer identischen Welt. Mit gleicher Schwerkraft, gleichen Bedürfnissen, wir sind sterblich, wir essen und trinken, wir haben Sex. Und wir haben ähnliche neuronale Voraussetzungen. Das unterstellen wir auch beim Gegenüber. Wir teilen als Menschen eine ganze Menge, was als Voraussetzung für unsere Kommunikation dient. Diese Voraussetzungen gibt es beim „maximal Fremden“ wohl nicht. Wenn jemand von einem anderen Planeten kommt: wie sind die Repräsentationsmodelle von der Welt, von deren Welt? Beim Menschen ist das sehr ähnlich. Aber beim Außerirdischen? Ob wir da Ich-Du-Beziehungen herstellen können? Ich bezweifele das. Ich bin sehr skeptisch in der Übertragbarkeit menschlicher Kommunikationsmodelle auf die Kommunikation mit Außerirdischen. Es ist eher andersherum: Durch die gedachten Schwierigkeiten in der Kommunikation mit Außerirdischen können wir uns über die Grundlagen unserer Kommunikation klarer werden. Das ist ein entscheidender Punkt meiner Forschung. Der andere, wie schon gesagt, einen tatsächlichen Kontakt theoretisch vorauszudenken.

Gehen wir also davon aus, dass wir das oder den Außerirdischen erkennen können, wenn wir auf ihn treffen. In welche Situationen kann ich da kommen?

Es sind drei Standardsituationen zu unterscheiden. Das erste ist ein Fernkontakt, über den Signale ausgetauscht werden. Elektromagnetische Wellen oder ähnliches. Es ist ein entfernter Kontakt zwischen hier und einem Planeten X. Das zweite ist: Wir finden eine Art Artefakt auf der Erde, das nur außerirdischen Ursprungs sein kann. Und zuletzt haben wir da noch ein direktes Kontaktszenario, eine Begegnung auf der Erde oder im erdnahen Weltraum: Das ist eine Face-to-Face-Situation.. Diese drei Szenarien muss man von den Kommunikationsbedingungen und den kulturellen Auswirkungen her deutlich unterscheiden.

Wie wirken sich die einzelnen Situationen denn konkret aus?

Von Fernkontakt geht die aus der Radioastronomie kommende SETI-Forschung aus. Sollte man per Radioteleskop Signale aus dem Weltraum empfangen, dann hat das zumindest einen Vorteil: Die außerirdischen Intelligenzen sind vermutlich sehr weit weg und gegebenenfalls schon lange tot. Vielleicht sind die Anderen also 1000 Lichtjahre entfernt. Das besondere an dieser Situation ist, dass es sich um eine Einwegkommunikation handelt, weil die Entfernung auch eine große Zeitdifferenz bedeutet. Die Nachricht wurde tausend Jahre zuvor abgeschickt. Wenn wir jetzt antworten, dann ist die Nachricht in 1000 Jahren bei den „Nachbarn“. Zumindest im Rahmen menschlicher Zeitvorstellungen – die Anderen können durchaus in einem anderen Zeithorizont leben – ist das kein wirklicher Dialog: Die einen senden dies, die anderen das: 2000 Jahre später kommt es an. Ob wir diese Botschaft entschlüsseln können würden, das stände dann nochmal auf einem ganz anderen Blatt geschrieben. Der zentrale Inhalt der Botschaft wäre also: die Botschaft selber. Die Erkenntnis: es gibt noch andere außer uns. Wir sind nicht allein im Universum. Der Rest, was übermittelt werden würde, wäre lange nicht entschlüsselbar. Und selbst wenn man den Code vordergründig knacken könnte, würde man ihn hintergründig nicht begreifen. Aber: das würde einen massiven Weltbildwandel einläuten. Alles, was wir heute über die Biologie wissen, basiert auf einem einzigen Fall, uns auf der Erde. n=1 würden die Naturwissenschaftler sagen. Als Wissenschaftler weiß man: n=1 ist die Grundvoraussetzung für eine sehr schlechte Studie. Bereits n=2 würde die Situation grundsätzlich verändern und unser Weltbild komplett revidieren.

Wie würde die Welt denn überhaupt reagieren?

Erst einmal müsste die Welt davon erfahren. Es gab zu Beginn der SETI-Forschung im Rahmen der internationalen astronomischen Vereinigung einmal Überlegungen zu entsprechenden Kommunikationsmaßnahmen, die im Falle eines Erfolgs des SETI-Projekts ergriffen werden sollen. Das Protokoll sagt: zunächst soll die Messung durch andere Wissenschaftler, andere Radioteleskope auf der Erde bestätigt werden. Dann informiert man den Generalsekretär der Vereinten Nationen, der die Regierungschefs der Staaten informiert. Diese beraten dann über geeignete Kommunikationsmaßnahmen, um die Bevölkerung zu informieren. Die meisten Beteiligten wissen aber wohl, dass so etwas nicht funktionieren würde. Denn bereits das Verifizieren des Signals könnte Jahre in Anspruch nehmen. In der Zwischenzeit werden das natürlich ein paar hundert Leute wissen. Und das in diesem Kontext geheim zu halten, in dem man möglicherweise ein Kandidat für den Nobelpreis ist, wenn man die Entdeckung als erster postuliert, das ist vollkommen unrealistisch. Wenn also zwei oder drei Wissenschaftlerteams das Signal empfangen haben, dann wird das bekannt werden – und heute werden das Internet und im Zweifel Medien wie Twitter eine ganz entscheidende Rolle dabei spielen. Es wird also erst Gerüchte geben, dann ein bisschen Chaos und dann eine Pressekonferenz. Und wie dann die Wirkung ist, das hängt von der Entfernung ab: Bei 10.000 Lichtjahren sind wir beruhigt und wissen – wir sind nicht allein. Das war es aber auch. Dann werden ein paar wissenschaftliche Fördergelder locker gemacht, um das Signal zu entschlüsseln und dann passiert zunächst nicht mehr viel. Aber: Das Weltbild ändert sich, vor allem im theologischen Bereich – wir sind nicht allein, wir sind nicht die Herren des Universums. Da werden sich manche Menschen gekränkt fühlen, wie auch in der Vergangenheit, als wir feststellten, nicht im Zentrum des Alls zu leben. Mit der Idee, dass wir nicht so wichtig sind, müssen wir dann erst einmal fertig werden.

Ein weiteres Szenario nennen Sie das „Artefakt-Szenario“. Was muss ich mir darunter vorstellen?

Ein wunderbares Beispiel im Science-Fiction-Film ist 2001 – ODYSSEE IM WELTRAUM. Da sind Astronauten auf dem Mond unterwegs, graben und stoßen dabei auf einen schwarzen Monolithen. Über diesen weiß man zunächst nur, dass er garantiert nicht natürlichen Ursprungs ist und dass er auf dem Mond steht, wo er nicht von Menschen gebaut werden konnte. Ansonsten weiß man erstmal gar nichts. Dann beginnt der Monolith, Botschaften in die Weite des Weltalls zu senden. Das ist also nicht nur ein Artefakt, es ist auch ein Mechanismus, den die Menschen allerdings nicht kontrollieren können. Irgendjemand wird jetzt informiert – das ist unangenehm.

Das ist ein wenig wie Viren, die als Schläfer auf Rechnern lauern und eventuell irgendwann aktiviert werden.

Genau. Aber wir wissen es eben nicht. Im Moment ist der Monolith, das Artefakt, nur da. Das zweite spannende Moment an der Geschichte: die Außerirdischen können offensichtlich interstellare Entfernungen überbrücken, denn sie waren ja da und haben etwas zurückgelassen. Das macht das Ganze deutlich herausfordernder. Es gibt keine Komfortzone mehr. Was die psychosozialen Auswirkungen sind, das hängt ein wenig davon ab, ob man sicherstellen kann, dass das Artefakt dort schon sehr lange steht. Wenn das schon zwei Millionen Jahre her ist, dann rückt das den Anderen schon in etwas weitere Ferne. Wenn der Fund auf der anderen Seite recht frisch ist, dann muss man sich schon eher Gedanken machen. Auch dann, wenn das Artefakt irgendeine Form von Mechanismus enthält. Ein Stein, ein kleines Bauwerk, eine Statue – irgendetwas, was dem gleicht, das Erich von Däniken immer zu finden meint – ist hingegen nicht so bedrohlich. Ein technisches Artefakt generiert vor allem im Umgang Schwierigkeiten: Kann man es bewegen, sollte man das tun? Wie kann man interagieren? Wie handelt man? Nicht zu vergessen: es gibt Machtgefüge auf der Erde. Es würde natürlich sofort die Frage aufkommen, wem das Artefakt denn gehört – gerade dann, wenn es außerirdische Technologie enthält. Die Verfügungsgewalt wird ein spannendes Thema sein.

Das Artefaktszenario bewegt sich also im Umfeld dessen, was man auch hin und wieder Paläoastronautik oder Präastronautik nennt.

Richtig. Die Idee ist: Andere Zivilisationen müssen ja nicht heute oder morgen kommen, die können ja schon gekommen sein. Die existierenden Ansätze – die auch durch Erich von Däniken popularisiert wurden – gehen da natürlich sehr weit, sind aber auch hochspekulativ. Ob wir fremde Artefakte wirklich als fremd erkennen können, das ist ja eine ganz andere Frage.

Es gibt ja sogar die Idee, dass wir – der heutige Mensch – Kreuzungen aus Außerirdischen und Affen sind und so der Evolutionssprung hin zur Intelligenzwerdung erklärt werden könne.

Ja, das ist eine witzige Idee. Aber ich halte das doch für ausgeschlossen. Das würde voraussetzen, dass wir genetisch kompatibel sind mit Außerirdischen. Das ist kaum denkbar. Einzig denkbar ist die Manipulation unseres Erbgutes, aufgrund des überlegenen Wissens der Außerirdischen. Ob sich dieses Wissen allerdings auf uns bezogen hat – das kommt mir doch sehr unwahrscheinlich vor. Sogar auf der Erde wissen wir, dass biologische Systeme in der Regel zum komplex sind, um da einfach einzugreifen.

Dann gibt es noch ein drittes Szenario.

Die Außerirdischen landen selber. Oder aber sie schicken Abgesandte. Beispielsweise hochentwickelte Sonden. Die können sicherlich Wesen enthalten, von denen wir gar nicht wissen, ob es Maschinen sind oder die Wesenheiten selber. Das Treffen ist das Szenario, das wir aus dem UFO-Bereich kennen. In diesem Bereich gibt es natürlich viele esoterisch angehauchte Vorstellungen von segensreichen Treffen mit unseren „kosmischen Schwestern und Brüdern“. Ich persönlich bin hier etwas skeptischer. Ich hoffe, dass die Aliens gar nicht kommen, denn das würde wohl eine eher unangenehme Begegnung sein. Denn: Die können etwas, was wir nicht können – von Planet zu Planet kommen. Wir sind die Entdeckten, die sind die Entdecker. Und dazu haben wir ja tatsächlich wunderbare Parallelfälle aus der menschlichen Geschichte. In den meisten Situationen war es so, dass eine große Diskrepanz zwischen den Parteien war. Es entstand eine extreme Asymmetrie zwischen beiden Seiten. Und die Entdeckten fühlten sich automatisch unterlegen – denn die Menschen habe die dumme Angewohnheit, technische Überlegenheit mit kultureller Überlegenheit gleichzusetzen. Was falsch ist. Das klassische Beispiel spielte auf den Kleinen Antillen – nach der Ankunft der Spanier haben hier weite Teile der Bevölkerung kollektiven Selbstmord begangen. Das heißt: Sie haben keinen Willen mehr gehabt weiterzuleben, weil sie mit etwas Fremdem, quasi Gottgleichem konfrontiert wurden, was ihr Selbstbild vollständig destruiert hat. Es gibt also Kulturen, die sehr empfindlich auf die Konfrontation mit etwas Überlegenem reagieren. Andere Kulturen sind etwas resistenter. Wir wissen allerdings nicht, was für die Menschheit allgemein gilt, wenn wir mit Überlegenheit konfrontiert werden – und das unabhängig von der Intention der anderen. Diese können wir nicht einschätzen. Im Gegensatz zu einem Menschen, der beispielsweise mit einer Axt um die Ecke kommt. Das ist ein Artgenosse, dessen Handlung können wir antizipieren – das hängt mit den bekannten Spiegelneuronen zusammen. Ich schließe von mir auf den anderen oder andersherum. Ich gehe davon aus, dass der andere einen ähnlichen Handlungsspielraum hat. Das kann ich bei dem Außerirdischen nicht. Selbst wenn der Fremde auf mich schießt weiß ich nicht, ob das bösartig gemeint ist. Vielleicht ist das deren Form von Kommunikation. Wir sind in einer blinden Situation, was die Kommunikation angeht. Ich denke deshalb: Letztlich wäre es wohl besser, dass wir nicht so schnell direkten Besuch erhielten. Aber wir können es uns wohl nicht aussuchen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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