Digitalisierung·Public Relations

Qualität lohnt sich

Von Kristina Frayne

Tja, eigentlich sagte Giovanni di Lorenzo bei der sechsten Tübinger Mediendozentur am 28. Mai nichts Neues: ohne Qualität geht gar nichts. Das sehen wir auch bei Twitter: Zuerst waren „Follower“-Zahlen und möglichst viele „Tweets“ der absolute Hype. Doch so langsam interessieren sich die Nutzer offensichtlich wieder für Inhalte. Damit befeuert Twitter sogar die Blogosphäre, denn 140 Zeichen reichen dann doch nicht ganz aus, um wirklich alles Wichtige zu transportieren.

Das sieht di Lorenzo ebenso und hat überhaupt keine Angst, dass Printmedien komplett aussterben. Qualität geht nicht einfach schnell mal eben so. Guter Journalismus braucht Zeit – Zeit, auch mal lange Texte mit schöner Sprache und abwechslungsreiche Geschichten zu schreiben. Zeit, Quellen zu prüfen, Bücher und Fachaufsätze zu lesen und ungewöhnliche Orte aufzusuchen. Di Lorenzo zitierte Marion Gräfin Dönhoff, die dem Leser auch mal was zumutete, um ihn zum Nachdenken anzuregen.

Vom Grabenkampf zwischen „intellektuellen Print-Leuten“ und „demokratischen Web-Verfechtern“ hält di Lorenzo nichts. Für ihn gibt es nur guten oder schlechten Journalismus – auf beiden Seiten – und die einen können nicht ohne die anderen. Die Vorzüge beider Medienformen müssen kombiniert werden, will heißen: schnelle Reaktionen auf aktuelle Ereignisse im Netz, tiefgehende Erläuterung und Einordnung in der Print-Ausgabe.

Denn auch Geschehnisse einzuordnen braucht Zeit – ohne Nachdenken geht hier nichts. ‚Entschleunigung‘ ist für di Lorenzo deshalb der größte Vorteil einer Papierzeitung: schon ihre Form begrenzt sie. Man kann nicht beim nächsten interessanten Stichpunkt einfach weiterklicken. Stattdessen liest man den Text zu Ende und denkt in Ruhe darüber nach (während man – mehr oder weniger umständlich – die Seite umblättert). Di Lorenzo drückte das metaphorisch aus: „Eine gute Zeitung ist das Ufer, nicht der Fluss.“ Eine Zuhörerin interpretierte das so: Sie stehe still, während der Fluss der Neuigkeiten an ihr vorbeiziehe.

Genau das ist der Vorteil: Informationen der Qualitätszeitung bestehen auch sieben Tage und länger. Sie werden nicht von immer neuen, scheinbar extrem wichtigen Neuigkeiten einfach weggespült. Deshalb werfe ich meine ungelesenen „Zeit“-Ausgaben auch nicht einfach weg. Noch Wochen später kann ich sie mir getrost zu Gemüte führen und nehme mir dafür gerne viiieeel Zeit…

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1 Reply

  1. Ich denke, Qualität ist für alle wichtig. Nicht nur die Texte, die man liest, sondern einfach alles. Wenn Texte mit Qualität verfasst worden sind, will man die natürlich lesen.

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