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Wissenschaft kommt in Fahrt

Letzte Woche besuchte ich den Wissenschaftszug der Max-Planck-Gesellschaft, der für zwei Tage in Tübingen stationierte. Echt beeindruckend! Dabei fiel mir mal wieder auf, wie spannend Wissenschaft doch sein kann, vor allem dann, wenn man sie so anschaulich, bunt und praxisnah erklärt bekommt. Mehr über den Zug können Sie in Kürze in unserem Storyletter lesen. Mit Dr. Hannelore Hämmerle, Projektmanagerin und Presseverantwortliche des „Science Express“, sprach ich über Wissenschaftskommunikation, über den Trend zur „öffentlichen Forschung“ und über die Rolle der Medien.

Frau Hämmerle, immer mehr Medien berichten auch über wissenschaftliche Themen, viel häufiger als früher. Wie kommt das? Interessieren sich die Menschen heute mehr dafür?
Ich glaube eher es liegt daran, dass die Gesellschaft bewusst versucht, den Wissenschaftler aus seinem Elfenbeinturm zu holen. In den USA begann diese Entwicklung, die Förderung des „Public Understanding of Science“, schon vor 25 Jahren, doch die Auswirkungen davon spüren wir erst jetzt. Die Wissenschaft wird für die Menschen gemacht, und zwar für alle Menschen, deshalb sollte sie auch allen zur Verfügung stehen. Außerdem wird der größte Teil der Forschung aus öffentlichen Mitteln bezahlt, der Steuerzahler sollte also auch sehen, wo sein Geld hingeht und sollte davon profitieren. Ich begrüße diese Tendenz deshalb sehr.

In welche Richtung entwickelt sich die Wissenschaftskommunikation?

Hm, schwierige Frage. Ich denke die Wissenschaftskommunikation wird immer breiter. Klar, Fachmagazine gab es auch schon früher. Aber jetzt berichten auch die Mainstream-Medien immer öfter über wissenschaftliche Themen. Nehmen Sie Sendungen wie „Wissen vor Acht“  im Vorabendprogramm als Beispiel, die sind heute der Renner. Das gleicht gilt für das Internet. Auch die Wissenschaftler selbst verhalten sich anders. Sie bringen sich immer häufiger selbst in die Diskussion ein, überlassen es nicht den Journalisten sich in die Themen einzuarbeiten, sondern sprechen direkt zu den Menschen.

Weil sie glauben ihre Forschung besser erklären zu können?

Das ist sicher auch ein Grund, aber ich glaube vor allem erkennen sie allmählich, dass es keine verlorene Zeit ist, sich mit den Menschen direkt auszutauschen. Die Interaktion mit der Bevölkerung kann für Wissenschaftler sehr befruchtend sein. Sie erfahren, welche Fragen offen und welche Dinge unverstanden sind, ziehen daraus Inspiration und neue Ideen.

Vor welcher Herausforderung stehen wissenschaftliche Institute dabei?

Die größte Herausforderung seit jeher ist die richtige Balance zu finden. Auf der einen Seite müssen Inhalte transportiert werden, auf der anderen Seite muss jeder sie verstehen können. Bei der Konzeption des Wissenschaftszuges haben wir wieder gemerkt, wie schwierig das oft ist.

Kreation oder Evolution, diese Debatte ist den USA gerade in vollem Gange; selbst in Deutschland berichtet der Spiegel über den „ungebrochenen Trend zum Kreationismus“. Welchen Einfluss haben die Medien auf diese Entwicklung?

Einen ganz entscheidenden. Beim Klimawandel war es genauso, erwärmt sich die Erde nun oder nicht? Die Medien –auch die deutschen – vermittelten lange Zeit den Eindruck, dass die Wissenschaft sich da nicht einig sei. In Wahrheit haben schon jahrelang 99 Prozent der Wissenschaftler gesagt, dass sich die Erde erwärmt. Die Presse hat versucht, beide Seiten zu zeigen, dabei aber übertrieben und den Nein-Sagern eine viel größere Plattform geliefert. In den USA sind das momentan die Kreationisten. Dabei reden wir hier von einem Glauben und keiner Wissenschaft, das kann man also gar nicht miteinander vergleichen.

Das heißt, was müssten die Medien tun?

Sie müssten eine Gewichtung vornehmen. Das ist natürlich nicht immer einfach, weil ja andere Meinungen auch nicht totgeschwiegen werden sollen. Dennoch muss die Presse hier finde ich Stellung beziehen. In jedem Fall hat sie einen großen Anteil daran, wenn solche Themen von der Bevölkerung als kontrovers wahrgenommen werden, obwohl sie es in Wahrheit gar nicht sind.

Wie beurteilen Sie die Berichterstattung über wissenschaftliche Themen in den deutschen Medien?

Inzwischen läuft das sehr ausgewogen und objektiv, auch beim Thema Klimawandel. Natürlich gibt es auch hier noch etwas zu verbessern. Die Medien könnten finde ich noch spannender berichten, noch mehr Interesse wecken. Die Wissenschaftsseiten vieler Tageszeitungen zum Beispiel greifen häufig einen einzelnen Artikel aus Science oder Nature auf. Dabei vergessen sie aber, das ganze in einen größeren Kontext einzubetten und den allgemeinen Nutzen darzustellen. Damit könnten sie noch viel mehr Leute erreichen.

Die Bedeutung von Online-Medien und Social Media für die B2B-Kommunikation nimmt rasant zu. Wie sehen Sie die Rolle dieser Kanäle im Bereich der Wissenschaftskommunikation?

In der Online-Welt passiert da momentan schon sehr viel. Spezielle Science-Newsletter und Internetseiten gibt es wie Sand am Meer und zum Teil sind die richtig gut gemacht. Die meisten der wissenschaftlich interessierten Menschen sind ja auch Computer-affin und nutzen dieses Medium täglich. Blogs finde ich persönlich eine sehr schöne Sache. Darin zeigt sich der Wissenschaftler als ganz normaler Mensch, der nicht nur in seinem Kämmerlein vor sich hin rechnet, sondern ein Leben führt wie alle anderen auch, der sich mit nervigen Anträgen herumschlägt und so weiter. In Blogs können wir hinter die Kulissen schauen und sehen die Wissenschaftler außerhalb ihres Elfenbeinturms, in dem sie sich bisher so gerne versteckt haben.

Und Twitter?

Das kann ich mir diesem Bereich weniger vorstellen, obwohl ich zugeben muss, dass ich Twitter nicht aktiv nutze. Ich glaube aber dieser Kanal ist zu schnell. In der Wissenschaft muss man sich oft erst hinsetzen und überlegen, wie man etwas sagt, damit es auch wirklich korrekt ist. Bei Twitter geht es um was ganz anderes, da schreibt man kurz einen Gedanken hin und veröffentlicht ihn sofort. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt da nicht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Hannelore Hämmerle ist promovierte Astrophysikerin. Schon während ihrer Promotion merkte sie, dass sie viel lieber über ihre Arbeit spricht, als selbst den ganzen Tag am Computer zu sitzen und zu forschen. Nach einer Zusatzausbildung im Bereich Wissenschaftskommunikation arbeitete sie vier Jahre in der Kommunikationsabteilung des CERN und übernahm dann die Stelle bei der Max-Planck-Gesellschaft als Projektmanagerin des Science Express.

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