Digitale Kommunikation·Social Media

Familienstrukturen begünstigen Seuchen

Die Kommunikation im Netz wird familiärer. „Tribes“, „Communities“ oder wie man diese Gebilde auch immer nennen mag, werden für viele zu täglichen Tummelplätzen. Die Menschen innerhalb des eigenen Netzwerkes wachsen einem zunehmend ans Herz. Und damit beginnt das Vertrauen, das die Basis all dessen ist, was man die „Kommunikation der Zukunft“ nennt. Ohne Vertrauen funktioniert „Word of Mouth“ nicht, ohne Vertrauen sterben Communities. Und ohne Vertrauen sind Unternehmen und Marken dieser Kommunikation der Zukunft schutzlos ausgeliefert.

Doch wenn Vertrauen blind wird, wenn es in „Naivität“ umschlägt, wenn viele Followers einem „Leader“ ungeprüft alles abkaufen, dann kann es schnell riskant werden. Und hier kommen wir auf die Spammer, die Phisher, die Virenverbreiter zu sprechen, die es in Sozialen Netzwerken künftig leichter haben werden, als in klassischen Emailsystemen.

Gestern ist es mir passiert: mein privater Account @beichstaedt – derzeit von Twitter suspendiert – er hatte ab gestern Abend, ca. 19.30 Uhr, angefangen Direct Messages (DM) an die Follower des Accounts zu verschicken. Ich kann mich nicht erinnern, zuvor auf irgendetwas „geklickt“ zu haben… Nun denn, mein Account verschickte irgendeine Botschaft „I made money on Google“ und einen Link. Tatsächlich wurde ich kurz darauf von Followern per Mail und DM informiert – doch da war das Kind schon in den Brunnen gefallen. Das Passwort habe ich schnell geändert, doch kurz darauf wurde mein Account seitens Twitter geblockt. Scheinbar, weil der Spammer sich automatisch wiederholt versuchte einzuloggen, das ohne Erfolg. Nun ist der Account erst einmal unerreichbar. Und erste DMs per Email berichten von folgender Situation: „Ich habe geklickt, da ist nichts passiert – kannst Du den Link nochmal schicken“? Und ich kann kaum reagieren. Denn ich bin von der Kommunikation mit den Followern abgeschnitten. Und: Sie haben mir zu blind vertraut.

Was bedeutet das für die Kommunikation in Sozialen Netzwerken? Je höher die so genannte #Reputation, desto größer die Chance, dass Menschen „blind“ auf etwas klicken, das man verschickt. Je mehr Follower man hat, desto größer die Chance, dass man potenzielle Spammer produziert (allein aufgrund der Statisik), wenn der eigenen Account Spam verschickt. Follower sollten also immer genau hinschauen, bevor sie auf einen Link klicken. Denn: Familienstrukturen begünstigen Seuchen.

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6 Replies

  1. Hi Björn, habe schon gemerkt gestern abend, dass da eine gewisse Panik bei @beichstaedt aufkam. Auf welchem Weg kommen denn die Spammer da eigentlich ran?? Grüße, Meike

  2. Keine Ahnung Meike. Normalerweise, indem man blind auf irgendeinen Link klickt – wie die dann an das Passwort kommen, das weiß ich allerdings nicht….

  3. Absolute Zustimmung!

    Was, wie ich finde, auch eine große Rolle bei der Verbreitung von Viren via Social Networks spielt, ist der Sprachstil, den man dort verwendet. Per Facebook-Message oder DM kann man sich durchaus vorstellen, dass jemand eine Nachricht mit Betreff „Look at this“ und einem schlichen Link im Inhalt schickt. Per Mail wäre das direkt aufgefallen.

    Übrigens sieht man hier im Blog gar nicht, wann ein Eintrag verfasst wurde – oder? Wusste also gar nicht, ob sich kommentieren „noch lohnt“, bevor ich gesehen hab, dass die anderen Einträge recht neu sind.

  4. In diesem Zusammenhang sind auch die diversen Dienste für Kurz-URLs eine Erwähnung wert. Der sorglose Klick auf eine solche URL ist, wie wenn man mit geschlossenen Augen durch eine Tür geht. Es gibt viele Add-ons, die dem Browser beibringen, die tatsächliche URL hinter einer Kurz-URL anzufragen und zum Beispiel in einem Tooltip anzuzeigen, bevor man diese anklickt. Denn selbst wenn man dem Verfasser einer Nachricht mit Kurz-URL blind vertraut, muss man das dem dahinterstehenden Dienst ja noch lange nicht tun…

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