Digitalisierung

„Wir haben uns auf ein Abenteuer eingelassen“

Das iPad hat auch das Wirtschaftsmagazin brand eins erstmals zu einer App (zuletzt hier im Blog besprochen) inspiriert, die seit dem Deutschlandstart des Geräts in Apples AppStore erhältlich ist. Mit Chefredakteurin Gabriele Fischer sprach ich für den Storyblogger über die aktuelle App, die Möglichkeiten des iPads und das, was man künftig von brand eins auf Tablet-Computern erwarten kann.

blog-gabriele_fischer_tuned-LS1

Die brand eins App ist direkt mit dem Start des iPads auf den Markt gekommen. Dabei habt Ihr bislang eher einen Bogen um Apps und digitale Hypethemen gemacht. Wieso jetzt der Schritt als Early Adopter?

Schon als Kindle und Co. auf den Markt gekommen sind, war uns klar, dass wir uns damit befassen müssen. Denn ein digitales Lesegerät kann für uns zu einer weiteren Vertriebsform werden. Dabei war für uns von Anfang an gesetzt, dass wir nah am Markenkern bleiben wollen – brand eins ist ein Magazin für Leser. Wir sind keine Fernsehstation, wollen uns also nicht als Filmemacher profilieren, aber eine digitale Umsetzung des Magazins erschien uns sinnvoll. Und auch wenn die ersten Lesegeräte noch nicht genügend Möglichkeiten für Magazine boten: Es war klar, dass sich das ändern würde, und dann wollten wir uns damit beschäftigen. Dass wir schon so früh dabei sind, hatte zwei Gründe. Zum einen hatten wir uns Anfang Februar für die Agentur Scoop and Spoon entschieden, die sich unter anderem mit digitaler Technologie befasst. Und dann meldete sich wenige Tage später ein Mitarbeiter von Apple und fragte, ob wir nicht gleich beim Start des iPads dabei sein wollten. Unsere Agenturpartner nickten, und so beschlossen wir, es zu versuchen. In aller Stille – denn zum einen waren wir noch nie die großen Marktschreier. Zum anderen wussten wir auch nicht, ob wir tatsächlich fertig werden würden. Aber es hat zum Glück alles super geklappt.

Ihr seid ja gleich am ersten Tag richtig durchgestartet. Die App war schnell bis auf Platz 4 in den iPad Charts. Habt Ihr damit gerechnet?

Wir haben im ersten Schritt die App mit einer Gratisausgabe angeboten, und damit gerechnet, dass sich viele die auch herunterladen würden. Und es hat uns auch nicht gewundert, dass die Reaktionen eher gespalten waren: Nutzer, die eher von der Technik kommen, bekundeten, dass die App technisch zu wenig bietet. Dieser Teil des Publikums kritisiert, dass es ja „nur“ ein Leseheft ist.

Das sind aber vermutlich auch die Leute, für die auch das iPad technisch zu wenig bietet.

Genau. Unsere Stammleser dagegen sind zufrieden bis begeistert. Wir bekommen einige sehr gute Vorschläge von ihnen. Etwa, dass man noch ein Lesezeichen braucht, das wir in der nächsten Version dann auch anbieten werden. Die Suchfunktion über alle Hefte hinweg soll ebenfalls kommen. Die Leser helfen uns also schon jetzt dabei, die App noch besser zu machen.

Im Moment gibt es noch recht wenige Hefte in der App. Wann kann ich meine komplette brand eins Sammlung auf dem iPad haben? Ich hätte zum Beispiel gerne die Ausgabe „Wirtschaftswundermagazin“ aus dem Dezember 2000.

Ob wir so weit zurückgehen werden, ist noch offen. Das liegt auch an den technischen Gegebenheiten der damaligen Heftformate. Die PDFs mit denen wir von der Qualität her arbeiten können, gibt es erst seit etwa drei Jahren, seit wir ein E-Paper machen. Für die Ausgaben davor, müssen wir noch einige Probleme lösen – aber zumindest für die vergriffenen Hefte wollen wir es versuchen. Alle neuen Ausgaben jedenfalls wird es künftig in einer iPad-Version geben.

Wie ist es mit Links innerhalb des Heftes?

Man muss sich immer entscheiden: Will man ein Leseheft anbieten oder ein interaktives Medium. Links stören den Lesefluss und beeinträchtigen das Layout, aber wir denken über Lösungen nach, die zu brand eins passen.

Und Videos?

Gute Videos sind eine Kunst für sich – und schlechte wollen wir nicht anbieten. Aber wir werden sicherlich künftig mehr Bildergalerien oder auch Foto-Videos einbauen.

Es gab doch mal die tolle Reihe „Die Aufbrecher“, die brand eins mit dem ZDF gemacht hat?

Ja, aber die Rechte liegen leider nicht bei uns. „Die Aufbrecher“ wären sicherlich sehr gut für das iPad geeignet, aber Rechtefragen sind im Dialog mit öffentlich-rechtlichen Sendern keine Kleinigkeit.

Wie soll das iPad denn künftig in Eure Strategie integriert sein?

Das wird sich Schritt für Schritt ergeben. Bei uns geht es vor allem um unsere Identität und Qualität. Was dazu passt, das werden wir langsam aber sicher machen.

Thema Paid Content: den ein oder anderen wird sicher erstaunen, dass die Hefte auf dem iPad recht teuer sind und selbst für Abonnenten nicht umsonst sondern nur vergünstigt.

Inhalte müssen anständig bezahlt werden und kosten somit Geld, davon waren wir schon immer überzeugt. Die App verursacht zusätzliche Kosten, also kann die Nutzung nicht gratis sein. Wie sich die Preisgestaltung im App-Store entwickelt, ob die Apps künftig einen relevanten Anteil am Umsatz liefern – all das ist offen. Schließlich hat auch Apple seine eigenen Regeln, und die sind nicht immer kompatibel mit unseren. Bei uns kann man zum Beispiel sein Print-Abo jederzeit kündigen und bekommt dann sein Geld zurück, wie das im App-Store funktionieren kann, müssen wir prüfen. Aber so ist das, wenn man Neuland betritt: Man geht los, und klärt die Probleme Schritt für Schritt. Wir haben nicht versucht, vor dem Start alle Eventualitäten zu bedenken – wir haben uns auf ein Abenteuer eingelassen. Und uns war klar: Das ist einfach ein neues Medium.

Denkt Ihr auch darüber nach, auf andere Tablet-Geräte zu gehen, wenn diese in den Markt kommen?

Auch das wird sich zeigen. Im Moment sind wir mit dem iPad ausreichend beschäftigt, und denken noch nicht über neue Formate nach. Wir stehen glücklicherweise auch nicht unter Druck. Das Print-Geschäft läuft weiterhin sehr gut, und der Großteil unserer Zielgruppe wird auch weiterhin das Heft beziehen wollen. Aber auch sie freuen sich über das iPad, wenn sie im Zug, im Flugzeug oder bei einem längeren Auslandsaufenthalt ihre Ausgaben dabei haben wollen – es ist eine Erweiterung unseres Angebots. Das ist es, was wir ermöglichen wollten.

Mehr lesen:

Hinterlassen Sie den ersten Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.