Visuelle Kommunikation

Bewegtbildkommunikation 2.0

Erinnern Sie sich noch an das erste Unternehmensvideo, das Sie auf Youtube entdeckt haben? Bei mir war es eine Anwendergeschichte von Oracle.

Zugegeben – es war kein besonderes Sehvergnügen, lange Ladezeiten und relativ schlechte Bildqualität erforderten einige Geduld und guten Willen von Seiten des Betrachters. Das war im Jahr 2006. Youtube war gerade ein Jahr alt, da wagten sich die ersten Pioniere, unter anderem IBM und Oracle, auf unbekanntes Terrain und eröffneten einen Unternehmenskanal auf der Online-Plattform. Heute, vier Jahre später, sieht alles schon ganz anders aus. Onlinevideos sind in der Unternehmenskommunikation angekommen.

Und wo geht es jetzt hin mit dem Bewegtbild? Diese Frage beschäftigt mich als Verantwortliche für audiovisuelle Medien bei meiner täglichen Arbeit. Und natürlich nicht nur mich, sondern auch viele andere, die sich beruflich mit bewegten Bildern in Internet und/oder Fernsehen befassen. Zum Austausch von Erfahrungen und zum Entwickeln von Visionen trifft man sich dann auf Fachkonferenzen, beispielsweise bei den Audiovisual Media Days 2010, die vor kurzem in München stattfanden. Der Schwerpunkt in diesem Jahr waren Bewegtbild-Inhalte, deren Konzeption und Best Practice bei Medien und Unternehmen. Ein Beispiel wie Unternehmen audiovisuelle Inhalte als Teil ihrer Kommunikationsstrategie im Web einsetzen, präsentierte Hermin Hainlein, Manager Consumer Communications von Coca-Cola: Nach dem Motto „weg von der Bleiwüste“ nutzt die Unternehmenskommunikation des Softdrink-Herstellers verstärkt Bewegtbild. Verbreitet werden die Inhalte über Social Media: Videos werden auf den Youtube-Kanal von Coca-Cola hochgeladen, mit Facebook verknüpft und über Twitter und Co. verbreitet. Nutzer kommentieren und posten eigene Videos zum Thema. All das findet sich gebündelt in einem Media Newsroom wieder. Hermin Hainlein ist begeistert von der neuen Strategie: „Unsere Unternehmenskommunikation ist heute authentisch und sympathisch, wir haben plötzlich ein Gesicht.“

In einer sich fragmentierenden Medienwelt wird es in Zukunft aber immer schwieriger, Aufmerksamkeit für die eigenen Botschaften zu bekommen. Das Befüllen von Online-Plattformen mit Inhalten z.B. in Form von Video ist ein Anfang. Doch erst die Verbreitung über Social Media bietet zusätzlich die Chance, dass meine Inhalte auch gefunden werden. Und – was immer noch nicht genügend berücksichtigt wird – im Web 2.0 können Unternehmen ihre Bezugsgruppen nicht nur genau definieren und gezielt ansprechen. Vielmehr noch: Wenn die Botschaft den richtigen Nerv trifft und originell ist, werden Nutzer zu hervorragenden Multiplikatoren. Wie gut das funktionieren kann, zeigte gerade erst die Old Spice-Kampagne von Procter & Gamble.

Ein smarter Muskelmann, Verkörperung des Männerdufts Old Spice und Held eines unglaublichen Werbespots, verschickt persönliche Videobotschaften an ausgewählte Twitterer (mehr Informationen zur Kampagne gibt es auf dem Blog Indiskretion Ehrensache von Thomas Knüwer).

Die Idee kommt gut an: Der Old Spice-Kanal ist diese Woche der am meisten aufgerufene Youtube-Kanal, einzelne Videos haben Abrufe in Millionenhöhe.
Eine kluge und gut durchdachte Kampagne, die Maßstäbe für die Zukunft setzt.

Übrigens – den Youtube-Kanal von Old Spice gibt es auch schon seit 2006.

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7 Replies

    • Ich denke, in erster Linie ging es darum, dem Duft ein neues Image zu verpassen und möglichst viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Und das ist meiner Meinung nach gut gelungen. Wer jetzt nachher tatsächlich aufgrund des Werbespots das Parfüm kauft, ist noch mal eine ganz andere Frage… Aber eine sehr interessante! BG, SR

  1. Ich bin mit dieser Marke aufgewachsen und wusste gar nicht, dass es diese überhaupt noch gibt, bis ich in einer „alten“ Drogerie im Münchner Rathaus Old Spice im Schaufenster sah.

    Dann sah ich diesen Spot und dachte, nett gemacht, aber hat so gar nichts mit dem Image dieser Marke zu tun. Die „alte“ Zielgruppe findet sich in Spot nicht wieder, und die „neue“ kann wahrscheinlich mit der Marke inkl. der zeitlosen Verpackung nichts anfangen.

    Hier stehen Anspruch und Realität im krassen Gegensatz.
    Für mich ist der geplante Transfer eine Nummer zu „gewollt“.
    Ein Löwe in Cannes bringt zunächst einmal nur der Agentur und Produktion einen zählbaren Vorteil, aber ob es dem Produkt hilft???

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