IT·Public Relations

IT-Zeitschriften in der Krise. Wirklich?

IT-Zeitschriften sind in der Krise. So berichtet jedenfalls das Ranking der IVW. Durch einen Artikel im Blog der Kollegen von Fink & Fuchs bin ich nochmal auf das Thema aufmerksam gemacht worden. Und die Gedanken dort haben mir keine Ruhe gelassen. Denn: die klassischen Ideen, dass Online immer stärker die Printthemen übernimmt, dass deshalb immer weniger ITler Printmedien lesen und sich nur noch im Internet informieren, diese Gedanken scheinen mir im spezifischen Fall viel zu kurz zu greifen.

Die Frage, die sich aus meiner Sicht zunächst stellt, um die aktuelle Situation zu verstehen ist vor allem: wieso gibt es überhaupt so viele IT-Publikationen. Und sind deren Auflagen und Umsätze tatsächlich von einem realen Lesermarkt getrieben bzw. waren dies in der Vergangenheit? Was wir wissen: in den Zeiten der sogenannten „New Economy Blase“ waren IT-Fachzeitschriften am Höhepunkt angekommen. Viele Titel nahmen die Umfänge von Telefonbüchern an. Der Anzeigenmarkt war eigentlich nur noch ein rauschender Fluß, in den Verlage ihre Füße stecken mussten und dabei ordentlich nass wurden.

Und dann wurde es an manchen Stellen unschön. Man erfand Modelle, um die Auflagenzahlen künstlich in die Höhe zu treiben. Unternehmensabos wurden zum Standard und Zeitschriften in immer höhere Auflagen- und damit scheinbar Leserzahlen getrieben. Der Markt der IT-Fachzeitschriften war eindeutig ein Bubble- und damit ein Hypemarkt. Der Einbruch von Anzeigen traf diese Zeitschriften deshalb umso härter. Und wenn ein Abo gekündigt wurde – und das eben ein Unternehmensabo war – dann hingen gleich höhere Stückzahlen an dieser Kündigung. Ob diese Stückzahlen vorher allerdings „gelesen“ wurden. Das steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Und ob die Leser ins Internet abgewandert sind – und das stärker als je zuvor – das ist ebenfalls ungewiss.

Vielleicht ist das Ganze auch anders zu erklären: der IT-Markt hat sich in den letzten Jahren von einem überhitzten, aufbrechenden Hypemarkt in ein ganz normales Branchensegment der Wirtschaft gewandelt. ITler informieren sich möglicherweise nicht mehr und nicht weniger im Internet als Player der Automobilbranche oder der Modeindustrie. Aber: der Markt ist jünger und deshalb ist die Normalisierung spürbarer.

Natürlich müssen sich PRler überlegen, wo sie künftig ihr Tätigkeitsfeld sehen. Aber ob das in der IT eine besondere Herausforderung ist, das ist fraglich. Vielleicht war es in dieser Industrie in der Vergangenheit nur sehr leicht, seine Themen unterzubringen, und jetzt tritt die Realität ein: Dass es gute Themen, gute Stories und aktuelle Anlässe braucht, um Medien und Publikum für sich einzunehmen. Ich halte das für durchaus denkbar. Vielleicht ist der IT-Markt viel normaler, als wir glauben.

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3 Replies

  1. Hallo, Björn,

    vielen Dank für diesen schönen Artikel. Ich tummle mich jetzt seit bald 20 Jahren als Autor und Journalist in diesem Segment. Im Laufe der Zeit habe ich viele Objekte kommen, aber noch mehr wieder verschwinden sehen. IT-Zeitschriften stecken in einer Krise: das lese ich jetzt seit knapp 10 Jahren. Und wenn „Krise“ bescheidenere Auflagen bedeutet, ist das sicherlich auch richtig. Aber, was mir vielmehr Sorgen macht, ist die Tatsache, dass kaum ein Haus reagiert.

    Natürlich werden die Leser sich die Ausgabe von 6 oder 7 Euro pro Monat für eine Zeitschrift überlegen, wenn auf den ersten zehn Seiten überwiegend „News“ präsentiert werden, die dann davon ausgehen, dass die Leser keinen Internetanschluss haben? Da werden Mechanismen und Rubriken durchgeschleppt, die längst überholt sind. Denn das, was da steht, haben die Leser mit Sicherheit bereits im Web gefunden.

    Ich bin der Meinung, dass der Trend hier zu Nischenblättern gehen wird. Da sollten die Chefredakteure und Verlage aber endlich den Mut aufbringen, längere Workshop und Artikel mit einem hohen Nutzwert zu publizieren. Es gibt da das eine oder andere Objekte in München, das seit Jahren immer wieder nur zeigt, wie man alles „brennt“ oder sich Gedanken darüber macht, alle Funktionen unter Windows in einem Menü zu platzieren. Ich glaube nicht, dass das die Fragestellungen des Gros der Leser sind.

    Nur diese Nutzwertgeschichten werden halt auch Geld kosten. Und hier sehe ich als Freier seit einigen Jahren eine Abwärtsspirale in Sachen Honorare. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass ein Umdenken in den Verlagen einsetzen wird.

    Grüße
    Stephan

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