IT·Public Relations

Künftig noch Printmedien für IT-PR im B2B-Umfeld?

IVW-Auswertungen sind regelmäßig ein Steinbruch an Informationen, den es erst einmal zu erschließen gilt. Vor kurzem hatte ich schon einmal zum Themenkomplex „IT-Zeitschriften und IVW“ geschrieben – Basis waren die Computerzeitschriften-Titel, die Meedia für den Beitrag „Die schwere Krise der Computerzeitschriften“ ermittelt hatte.

Viele IT-Kunden von Storymaker werden sich in diesen Titeln allerdings nicht wiederfinden. Denn es handelt sich bei den Top-20-Zeitschriften in Deutschland vornehmlich um IT-Titel für den Endverbraucher. B2B-Zeitschriften finden eigentlich nicht statt. Deshalb haben wir uns die Mühe gemacht, diese Zeitschriften (soweit von der IVW erfasst) und die Entwicklungen im vergangenen Jahr etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei haben wir die IT-B2B-Zeitschriften, die sich bei der IVW im Segment „Wirtschaft allgemein“ verbergen, ausgewertet und die wichtigsten Zahlen zusammengestellt.

Zentral ist sicherlich die Erkenntnis, dass die IT-B2B-Fachzeitschriften im vierten Quartal 2010 in Summe um 4,92 Prozent in der Druckauflage nach unten einbrachen (23 gelistete IT-B2B-Titel bei der IVW) – im Vergleich zum vierten Quartal 2009. Die Luft wird also für alle B2B-Titel im Schnitt dünner, die Gesamtauflage dieser Titel fiel von etwa 521.000 auf nur noch 496.000.

Damit werden die Zeitschriften für Werbekunden weniger attraktiv, was die Abwärtsspirale weiter beschleunigen dürfte. Allerdings zeigt sich bei differenzierterer Betrachtung auch, dass das Spektrum der Titel von solchen reicht, die bis zu 10 Prozent in der Auflage gewachsen sind – am anderen Ende des Spektrums hingegen Medien bis zu 30 Prozent eingebrochen sind. Der Durchschnittswert ist also nur einer von mehreren Hinweisen auf die Gesamtentwicklung.

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Wer die Medien genauer anschaut erkennt nämlich einen Trend innerhalb der Entwicklung: es scheint, als ob es eine leichte Wachstumstendenz bei sehr spezialisierten Titeln gibt – <kes> als bestes Beispiel – wohingegen allgemeinere Titel wie die Computerwoche stark an Druckauflage einbüßen mussten. Das hat natürlich auch mit einer Verlagsstrategie zu tun, sagt aber auch etwas über die Nachfrage nach Titel aus. Und gleichzeitig für die PR etwas darüber, welche Medien thematisch auf steigendes Leserinteresse treffen.

Wie sollten PR-Verantwortliche mit diesen Zahlen umgehen? Hier sind drei zentrale Tipps ableitbar:

  1. Die eigenen Zielmedien müssen überprüft werden – sind alle 10 Medien, die in der Top 10 enthalten, sind im Blick der eigenen Öffentlichkeitsarbeit? Oder sind Verschiebungen in den vergangenen Jahren an der PR vorbeigegangen?

stm_110224_tabelle01-22. Sind die Themen und Stories eines Unternehmens auf diese Medien zugeschnitten? Und sind sie überhaupt geschärft und damit für einen in Summe zurückgehenden Printmarkt (mit immer weniger Publikationsplatz) vorbereitet?

3. Bieten Branchenmedien aus Zielbranchen eines Unternehmens inzwischen neue Möglichkeiten für die Vermittlung von PR-Inhalten?

4. Sind alternative Publikationswege über den Weg des Corporate Publishings oder im Umfeld der Social Media / Online-Kommunikation bereits ausreichend ausgelotet und konkret angegangen?

Das Ende der IT-B2B-Medien im Printbereich ist noch lange nicht gekommen. Aber eine differenzierte Betrachtung der Entwicklung sowie eine Anpassung der PR-Strategien ist derzeit nötiger denn je. Das zeigte auch eine nichtrepräsentative telefonische Umfrage, die wir im Herbst 2010 unter PR-Verantwortlichen von IT-B2B-Unternehmen durchführten. Darin zeigte sich ein klarer Trend hin zu spezialisierteren IT-Medien und Branchenmedien sowie hin zur Wirtschaftspresse sowie eine zunehmende Beschäftigung mit Social Media und Online-Kommunikation. Allgemeinere IT-B2B-Medien haben auch für die PR-Verantwortlichen ein wenig vom ehemaligen Glanz verloren.

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2 Replies

  1. Ich halte die Druckauflage nicht für die richtige Währung – ‚Computern im Handwerk‘ wird kostenlos verschickt, Computerwoche hat Abos – vergleichbar wären maximal „verbreitete Auflage“ oder „verkaufte Auflage“. (Die Schlussfolgerung „spezialisierte Titel gewinnen“ gilt nämlich zum Beispiel für CiH gerade nicht – die sind mindestens so allgemein wie die CW)

  2. @Joachim Graf: Ja, das ist natürlich die prinzipielle Problematik mit der IVW. Die ermittelt primär die Druckauflage. Bei einer viel differenzierteren Betrachtung müsste man natürlich zig Faktoren in Betracht ziehen. Zu den spezialisierten Titeln, die gewinnen, gehört aber auch „Computern im Handwerk“ eindeutig nicht. Für diese Aussage ist das Schaubild 1 relevant.

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