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Das neue Facebook: erste Überlegungen

Seit Ende der letzten Woche ist es soweit. Facebook verändert sich komplett. Das Social Network wandelt sich zu einer Plattform vernetzter Autobiographien. Durch die neue Timeline ist es künftig möglich, das eigene Leben bis zurück zur Geburt zu erzählen, Highlights der Vergangenheit zu integrieren und Schwerpunkte innerhalb der Posts zu setzen. Das gilt zunächst wohl für die privaten Profile (ab Anfang Oktober für alle), in einem nächsten Schritt sind sicherlich die Fanpages dran.

Wie Facebook selbst betont, wird damit das Thema Storytelling und auch die Nutzung von Archivcontent wichtiger werden. Unternehmen mit großer Tradition und Historie – die ihre Archive in den letzten Jahren nicht komplett entsorgt haben – werden damit vermutlich interessante Möglichkeiten bekommen, ihre Vergangenheit darzustellen. Und das Bilddokument als Instrument der Geschichtsvermittlung wird wohl an vielen Punkten ins Zentrum des Geschehens rücken. Und der Kontext, den verknüpfte Informationen ermöglichen, gewinnt an Bedeutung. Denn es wird möglich sein, dass ein Markenfan erkennt, dass das Unternehmen X zum Zeitpunkt seiner Geburt gerade das Produkt Y erfunden hat. So bekommt (wenn es denn auch für Fanpages so kommt) die Unternehmensgeschichte über die gesamte Lebenszeit ihrer Fans hinweg eine neue, kontextualisierte Relevanz.

Unternehmen sollten also schon einmal ihre Archive im Hinterkopf haben, um auf das vorbereitet zu sein, was demnächst kommt. Denn wo Wikipedia eine objektive Biografie einer Firma bietet, steht bei Facebook die Autobiographie im Zentrum. Mit all den verklärenden Aspekten, die eine solche in der Regel beinhaltet. Corporate Publishing und eine Corporate Timeline könnten das nächste große Ding beim Erzählen der eigenen Geschichte sein. Firmenjubiläen der Anlass, die Vergangenheit auch auf Facebook zu erzählen. Multimedial, in Bildern, mit Video- und Tondokumenten.

Auch der Lebenskontext der Nutzer / Fans wird deutlicher werden. Was macht X im Moment Y? Und wie kann ich als Unternehmen daran teilhaben? Und Facebook selbst wird in seinem Wissen noch größer werden. Wie Cluetrain PR richtig schlussfolgert: Facebook ist das neue Moody’s. Dass mit all dem natürlich noch mehr Datenkrakerei verbunden ist, das ist klar – Facebook ist weiterhin ein wirtschaftlich denkendes Unternehmen.

Wer die neue „Timeline“ für sein eigenes Profil bereits nutzen möchte (und nicht noch eine Woche warten kann), der sollte sich einen Developer-Zugang zulegen. Wie das geht, steht hier. Ich habe es bereits getan und habe viel Spaß mit dem neuen Profil – und ich bin nicht naiv: Facebook weiß jetzt schon deutlich mehr über mich. Man muss die Vorteile gegen die Nachteile abwägen…

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