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Wie Siri die professionelle Kommunikation für immer verändert

Ich gestehe, die gestrige Keynote von Apple hat mich erst einmal ernüchtert. Kein iPhone 5, kein Facebook, kein Whatever. Aber klar, ich habe vergessen, dass Apple nicht nach Erwartungen agiert, sondern eine eigene, grundeigene Agenda hat. Und dass das, was die eigentliche Innovation ist, eben oft ein wenig unter Wert gehandelt wird, bis es sich in unserem täglichen Leben manifestiert. Und dieses „das“ scheint mir nach einigem Nachdenken „Siri“ zu sein.

Siri ist zunächst mal nur eine Sprachfunktion, ähnlich der Google Voice Search. Aber dann doch viel mehr, denn gerade die Assistentenfunktion führt wohl in Zukunft dazu, dass man viele Dinge über einen „Single Point of Contact“ via Smartphone erledigen wird. Siri mach dies, Siri mach das. Im Video stellt Apple dabei nur generelle Funktionen wie Termine verschieben oder Emails beantworten vor. Aber wir erinnern uns auch, dass die eigentliche Kommunikationsfunktion von iOS 5, die bei Apples letzter Veranstaltung vorgestellt wurde, die tiefe Integration von Twitter in sämtliche Funktionen des iPhones sein wird. Und hier wird es spannend.

Denn vermutlich wird Siri Twittern können. Und damit werden wir bei Twitter eine kleine kommunikative Revolution erleben: das vermehrte Aufkommen von verschriftlichter GESPROCHENER Kommunikation. Die Sprache auf Twitter wird sich also ändern, die Sprache in Blogposts wird sich ändern, die Sprache bei Facebook wird sich ändern. Und könnte dem näherkommen, was wir gemeinhin „authentisch“ nennen. Und auch das ein oder andere Problem mit dem Thema „der CEO Blog“, „der twitternde CEO“ etc., das in der Vergangenheit gerne mal mit „keine Zeit“, „will diese ganzen Apps nicht nutzen“ etc. abgebügelt wurde, könnte sich in Wohlgefallen auflösen. Führungskräfte sind es gewöhnt mündlich zu delegieren. Wenn sie das mit einem „virtuellen Assistenten“ machen, dann sind sie viel näher am Daily Business als bei der schriftlichen Kommunikation. Und sie können „echter wirken“.

Hier könnten komplett neue Aufgaben für Kommunikatoren entstehen: Vermündlichung von Unternehmenskommunikation, Personal Wording Strategien für Sprechtäter etc. etc. Eines ist jedenfalls sicher: wenn gesprochene Sprache eine tiefe Integration in schriftliche Kommunikation erfährt, dann verändert sich vieles. Und Corporate PR Sprech wird noch unattraktiver werden, als es jetzt schon ist.

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6 Replies

  1. Amazing! Keine Rechtschreibfehler mehr in Tweets und FBposts. Applische Perfektion. Das heißt aber auch: Wie steril, wie wenig individuell. Da bleibt die Persönlichkeit der unperfekten Zeitgenossen auf der Strecke.

  2. Siri ist weniger Spracherkennung als vielmehr die erste massentaugliche AI-Anwendung. Selbst wenn Siri scheitert, wird man in 10 Jahren auf diese Keynote zurück blicken.

  3. Ich glaube nicht, dass es tatsächlich so kommen wird. Auf dem PC/Mac gibt es schon seit einiger Zeit Spracherkennungs-Software. Trotzdem sieht man beinahe niemanden vor seinem Laptop im Zug sitzen und dort Texte einsprechen.
    Das was Du beschreibst, wäre eine schöne Sache. Gerade die Verschriftlichung des Gesprochenen und die damit verbundene höhere Authentizität wäre zu wünschen.

    Ich kann mir aber nur schlecht vorstellen, dass viele Menschen mit ihrem iPhone im Zug/ auf der Straße/ im Büro sitzen und dem iPhone den neuen Blogpost diktieren.

    Denkst Du wirklich, dass das kommen wird?

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