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Weibos, Web und Word of Mouth in Peking

Auf einmal unterhielt ich mich über Sina und QQ, über Yupoo und Youku. Auch über die Macht der „Weibos“, die die Schlagzeilen in China bestimmen und täglich mit neuen gigantischen Millionen-Nutzer-Zahlen von sich Reden machen. Und der chinesische Blogger, der Siemens derzeit das Leben zur Hölle macht, war natürlich auch ein großes Thema.

Unter dem Titel „Risk or Chance? – Social Media“ hatten das German Centre, die Deutsche Handelskammer und Storymaker Beijing am 24. November 2011 zum inzwischen neunten Mal zum „Sino-German Communication Forum“ in Beijing eingeladen. Unsere chinesische Schwesteragentur  hatte mich aufs Sprecher-Programm gesetzt und ich hatte die Chance einmal ganz tief in die chinesische Diskussion zu den sozialen Netzwerken einzutauchen. Frank Hartmann von der Deutschen Botschaft und Christian Claussen von VW zeigten in Praxisvorträgen, was im chinesischen Web so geht, während Harrison Xing von Tencent die Möglichkeiten der hauseigenen QQ-Plattformen aufzeigte. Zheng Yan Nong von der China International Public Relations Association warf Fragen nach Regeln für Social Networks und Verhaltenscodes für PR-Agenturen auf. Und das Gefühl beschlich mich sehr bald, dass hier in China die gleichen Diskussionen geführt werden, wie andernorts auch – und die wir in Deutschland teils noch führen, teils bereits abgehakt haben. Und auch eine Panel-Diskussion aller Speaker, die sich an die fünf Vorträge anschloß, bestärkte mich in dem Eindruck, dass Fragen wie die Nichtverfügbarkeit von Facebook, Twitter und Co. hierzulande höchstens ein Nebenaspekt sind.

Was kann man mit den vielen Millionen chinesischen Usern im Social Web als Unternehmen eigentlich anfangen? Diese Frage hatte sich das Marketing-Team von VW gestellt, bevor es die wunderbare Crowsourcing-Kampagne „The People’s Car“ aufsetzte. Cross- und multimedial waren hunderttausende von Chinesen dazu aufgerufen, das eigene Wunschauto zu kreieren. Von über 80.000 Vorschlägen konnte Christian Claussen, Director of Brand Management & Brand Marketing bei Volkswagen China, berichten, die nun beim Autobauer in die Evaluation gehen. Ein hochspannendes Projekt, das wichtige Social Networks wie Sina Weibo bis zum Anschlag nutzte.Sehr interessant auch die Ausführungen von Harrison Xing von Tencent, einem der großen Player im chinesischen Social-Web-Markt. Der General Manager der Weibo-Sparte des Unternehmens (Weibo steht übrigens für „Microblog“) konnte mit riesigen Wachstumszahlen erstaunen und erklärte mir im anschließend geführten Face-to-Face-Gespräch noch einige Hintergründe zu seinem Unternehmen und dem chinesischen Markt im Allgemeinen. Hier eine Audio-Aufnahme:

Hartmann von der Deutschen Botschaft erklärte die Absicht, künftig immer stärker mit Themen, die die Menschen wirklich interessieren, Abschied von der klassischen Botschaftswebsite nehmen zu wollen – unter dem Motto „Germany in China“. Erste Schritte im Social Web ist die Botschaft hierbei schon gegangen. Die ganz große Interaktionsoffensive steht allerdings noch bevor.

Schließlich sprach Zheng Yan Nong von CIPRA (einer Art politscher DPRG Chinas) noch Themen an, die mich sehr an die Diskussionen um den DRPR in Deutschland erinnerten: Absenderklarheit, die Rolle von PR-Agenturen im Social Web und die Frage, was reguliert gehört – und was eben nicht. Sicherlich sind die Sichtweisen hier in China ein wenig anders als in Deutschland. Aber das große Bild und die übergreifenden Diskussionen überlappen doch an erstaunlich vielen Stellen, wie schließlich auch die gemeinsame Panel-Runde verdeutlichte.

Eines ist mir allerdings spätestens nach dieser Veranstaltung klar geworden: mit den 300 Millionen chinesischen Social Media Usern wird in Zukunft zu rechnen sein. Das haben auch schon einige Ausländer gemerkt. Denn neben nicht-chinesischen Firmen sind inzwischen auch ausländische Stars im chinesischen Social Web unterwegs. Ein klarer Indikator dafür, dass hier absolute Relevanz entsteht, die natürlich kaum ein relevantes Unternehmen übersehen darf.

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