Digitalisierung

Fundamentaler Shift: Encyclopaedia Britannica, Spotify und GarageBand

Es ist ein Akt mit großer symbolischer Bedeutung: die Encyclopaedia Britannica wird es künftig nicht mehr gedruckt geben. Ein weiterer Dominostein der breiten Content-Bastion auf Printbasis fällt. Und das nicht nur im englischsprachigen Raum – auch Deutschland, das Land der Dichter und Denker ist im Buchbereich inzwischen schwer getroffen. Zuletzt schloss etwa die Hugendubel-Filiale am Berliner Kudamm – wegen zu teuerer Mieten (was sicherlich in Relation zum Umsatz zu setzen ist). Und auch letzte Bastionen der Print-Ära – etwa die altehrwürdige Sonntagszeitung – fordern inzwischen ihre Leser mehr oder weniger proaktiv zur Flucht vom sinkenden Schiff auf.

Das alles erinnert mich an den Film EPIC 2014, der bereits Mitte der 2000er diese Vision zeichnete:

Ein weiterer wichtiger Einschnitt in dieser Woche: Der Deutschland-Start von Spotify. Denn mit dem Sterben der analogen Datenträger kommt gleich eine weitere Revolution in Sachen Vertrieb dazu. Nicht mehr das einzelne Produkt steht im Vordergrund, sondern die Access-Dienstleistung. Nicht Besitz an einem Gut steht im Vordergrund von Spotify sondern der Zugang – ähnlich einem Car-Sharing-Modell. Das hatte Jeremy Rifkin bereits Ende der 90er in seinem Buch Access als Modell der Zukunft beschrieben. Mit Spotify – und den scheinbar positiv verlaufenden Gespräche mit der GEMA – bricht hier ein weiterer Damm. Damit sollte auch Netflix bald kommen – und auf eine Kindle-Buch-Flat freue ich mich auch schon. Spotify ist ein Meilenstein, der konsequent mit dem Ende der britannischen Enzyklopädie zusammenfällt.

Zuletzt dann noch Apple. Denn was das Unternehmen vor wenigen Tagen im Bereich der Software auf den Markt geworfen hat: Garageband und iPhoto für das iPad – ist nicht weniger als der letzte Baustein in der Contentproduktionskette für alle. Video, Musik / Audio, Foto, Slides, Texte – alles ist inzwischen über Apple-Produktionssoftware auf Tablets und Smartphones kinderleicht zu bauen. Die Produktion für jeden steht, die Plattformen für jeden stehen – und die Vertriebsmodelle via Einzeldownloads oder Flats sind in den Startlöchern. Die Welt hat sich gedreht. Nicht erst diese Woche. Aber es wurde offensichtlicher als jemals zuvor. Durch drei Ereignisse, die direkt aufeinander folgten: das Ende der Encyclopaedia Britannica, den Deutschlandstart von Spotify und die Content-Software-Offensive von Apple.

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2 Replies

  1. Um ehrlich zu sein, ich habe auch vor zehn Jahren niemanden gekannt, der sich eine Encyclopaedia Britannica gekauft hat, um darin zu schmökern.

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