Public Relations

„Unsere Glaubwürdigkeit ist uns heilig“

1949 gründet Heinz Heise in Hannover einen Verlag. Das Programm: vier Telefonbücher und ein Adressbuch. Heute umfasst die Heise Medien Gruppe ein breites Spektrum an Print- und elektronischen Medien, darunter Heise Online für alle High-Tech-News, das Innovationsmagazin Technology Review, die IT-Profi-Zeitschrift iX, und Europas meistabonniertes Computermagazin c’t. Die Marken leben von der Qualität und Unabhängigkeit ihrer Berichterstattung. Umso überraschender schien Anfang des Monats die Ankündigung des Verlags, sich zu 51 Prozent am Marktforschungsinstitut techconsult zu beteiligen. Wandelt sich Heise vom Informationsverarbeiter zum -produzenten? Storymaker sprach mit Dr. Alfons Schräder, Geschäftsführer des Heise Zeitschriften Verlags, über die Bedeutung dieses Schritts, die Tücken des Medienmarkts und das „heilige“ Gut Glaubwürdigkeit.

Dr. Alfons Schräder

Storymaker: Herr Schräder, was verspricht sich der Verlag von der Beteiligung an techconsult?

Dr. Alfons Schräder: Wir erweitern bereits seit einigen Jahren unser Portfolio um verwandte Themengebiete, die unsere Zielgruppen interessieren: Dazu gehören zum Beispiel Hardware Hacks, die Foto-Specials der c’t und heise Autos. Neben neuen Print-Titeln erweitern wir auch das Online-Angebot, den App-Bereich und Heise Events, wo wir zum Beispiel Konferenzen organisieren. Der Bereich Marktforschung ist eine sinnvolle Ergänzung dazu – gerade mit techconsult, das ebenso wie Heise Zeitschriften spezialisiert ist auf den deutschen ITK-Markt.

Welchen Einfluss hat diese Ergänzung durch den Bereich Marktforschung auf die Positionierung des Verlags?

Unsere Positionierung wird sich nicht ändern. Unsere beiden Unternehmen sprechen ganz ähnliche Zielgruppen an: CIOs und große IT-Unternehmen. Also Gruppen, die ITK-Trends und -Produkte kennen wollen. Hinzu kommt, dass wir eine ähnliche Firmenphilosophie haben, sonst hätten wir diesen Schritt auch nicht gemacht. Wenn Sie sich die Website von techconsult anschauen, finden Sie viele Informationen, viel Inhalt und müssen das Marketing erst einmal suchen. Das entspricht auch unserem Selbstverständnis.

Was ändert sich stattdessen?

Obwohl wir starke Marken und weniger zu kämpfen haben als andere Häuser, merken auch wir einen Rückgang in den Auflagen. Paid Content ist noch immer ein Problemkind: Die Leser sind nicht bereit, für Online-Angebote zu zahlen, außer wenn die Zeitschrift als App vorliegt. Zugleich leisten wir uns hohe Qualitätsansprüche, die Hälfte unserer Mitarbeiter sind Redakteure. Um dieses Niveau zu halten, müssen wir unsere Geschäftsfelder erweitern: Das betrifft den Bereich Events, das Mittelstandswiki, auch einen kostenpflichtigen Webcast können wir uns vorstellen. In diesem Zusammenhang kann techconsult für unsere Zielgruppen guten Content und gute Events produzieren.

Sind das die erhofften Synergien, von denen in der Pressemit teilung die Rede war?

Genau. Unsere Zielgruppe der CIOs hat teilweise technischen und teilweise wirtschaftlichen Background. Heise kann Technik. Aber die strategischen CIOs mit wirtschaftlichem Hintergrund kennen uns praktisch nicht. Um diese Komponente wollen wir unser Angebot erweitern, und dafür sind das Wissen und die Erfahrung von techconsult nützlich.

techconsult gehört nun praktisch zum Verlag. Bedeutet dies, dass Studien des Instituts künftig in der Heise-Berichterstattung bevorzugt werden?

Nein. Die Berichterstattung ist zu 100 Prozent Sache der Redaktionen. Die Geschäftsführung nimmt darauf keinen Einfluss, wird das auch in Zukunft nicht tun. Das haben wir auch techconsult von Anfang an klar gemacht: Wir können Events mit Anzeigen unterstützen, aber redaktionelle Berichte werden nie Teil unseres Vertrags oder der Synergie-Effekte sein, die wir uns erhoffen.

Dennoch könnte diese Beteiligung die objektive Qualitätsberichterstattung, für die der Verlag steht, beeinflussen. Vielleicht bevorzugen Ihre Redakteure in Zukunft Studien anderer Institute, um das „G’schmäckle“ der Voreingenommenheit gegenüber techconsult zu vermeiden?

Wie gesagt: Bei Heise liegt die inhaltliche Entscheidung immer beim Chefredakteur. Er ist der Wächter für seine Marke. Diese Glaubwürdigkeit ist uns absolut heilig.

Glauben Sie, die Rolle von Heise Zeitschriften auf dem nationalen und internationalen Medienmarkt wird sich durch die Beteiligung an techconsult verändern?

Nicht allein durch diese Beteiligung, aber sie ist Teil einer größeren Strategie des Wachstums und der Erweiterung unseres Portfolios, sowohl national als auch international. In England haben wir mit The H gerade das Pendant von Heise Online herausgebracht. In den USA läuft c’t Digital Photography seit 2010 sehr erfolgreich – trotz des teuren Heftpreises. Gerade im marketingbelasteten Amerika merken wir, dass höchste Qualität einfach zieht. Um es zusammenzufassen: Wir wollen in die Breite wachsen, in Deutschland und anderen Ländern, in klassischen und neuen Medien, um unsere Zielgruppe auf all diesen Ebenen abzufangen.

Wie sehen Sie die Zukunft des Verlags?

Die Verlagslandschaft erlebt gerade eine spannende Zeit, in der viele kämpfen und einige diesen Kampf verlieren. Wir kommen bisher gut zurecht, merken aber auch, dass man mehr auf sein Publikum achten und auf verschiedene Kanäle setzen muss. Ich bin mir allerdings sicher: Das digitale Zeitalter ist nicht das Aus für Print. Zum einen, weil viele Leser in gedruckten Medien immer noch höhere Qualität sehen als bei Online und bereit sind, für diese einen höheren Copy-Preis zu zahlen. Zum anderen hat Print auch für den Verlag noch große Vorteile: Nach der Bankenkrise haben wir gerade im Online-Bereich unter dem enormen Einbruch der Anzeigen gelitten.

Also ein Plädoyer für Print?

Zumindest haben uns unsere Print-Magazine, die sich zu 65 Prozent aus Vertriebserlösen und zu 35 Prozent durch Anzeigen finanzieren, in der Krise weniger Sorgen bereitet. Sicher ist Online ein wichtiges Geschäftsfeld, aber Umsatzgenerierung ist dort schwieriger und der Aufbau fordert noch mehr Zeit. Von daher ist Print bei Heise noch lange nicht tot.

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