China·China-Kommunikation·Fertigung

Wenig EINblicke, stattdessen ein runder ÜBERblick

„Wenn von unten Druck kommt, wird die Luft oben dünn.“ Gemeint ist die Situation des deutschen Maschinenbaus in China. „Chinesische Unternehmen werden in einigen Jahren verstärkt aus dem mittleren Marktsegment in den Hightech-Bereich vordringen“, so Corinne Abele vergangene Woche auf dem 3. Deutschen Weltmarktführerkongress in Schwäbisch Hall, der Chancen und Risiken in China unter die Lupe nahm. Verharren im oberen Segment allein sei keine Lösung. Stattdessen möge man die Erweiterung des vertikalen Produktsegments in Erwägung ziehen, so die Asien-Pazifik Referentin von Germany Trade & Invest. Sprich, Allianzen mit chinesischen Firmen eingehen, um sich ein Stück des Kuchens im mittleren Segment zu sichern.

„Wer sich als Weltmarktführer behaupten will, muss sich mit China auseinandersetzen“, so Abele. Dies treffe vor allem auf den Maschinenbau, aber in zunehmendem Maße auch auf andere Branchen zu. Unabhängig von Branche und Marktpositionierung gilt es, sich einen Namen zu machen, um das Vertrauen von Partnern, Kunden und, in China besonders wichtig, Mitarbeitern zu gewinnen. „Mittelständler müssen lernen, eine Arbeitgebermarke aufzubauen, um künftig gut ausgebildete Fachkräfte gewinnen zu können“, erläuterte Testo-CEO Professor Burkart Knospe, anhand praktischer Beispiele aus Deutschland.

Nach Abkühlung im vergangenen Jahr ist die chinesische Wirtschaft erneut im Aufwärtstrend. Ob die Erholung nachhaltig ist, wird sich zeigen. Doch Fakt ist: Schon heute zählt die Forbes Liste der 500 größten Unternehmen 73 Firmen aus dem Reich der Mitte. Knapp die Hälfte der Unternehmen, die im Jahr 2011 neu in die Riege der Top-500 hinzustießen, stammt aus China. Und nicht nur mit dem Titel des Exportweltmeisters darf sich das Land schmücken, auch bei den Patentanmeldungen liegt China mit weitem Abstand vorne. Tricky dabei: Die Datenbank der chinesischen Patente wird nur auf Chinesisch geführt.

All dies ist nicht neu. Chancen und Risiken sind dem Mittelstand weitgehend bekannt. Wie man Letztere umschifft und Potenziale nutzt, davon wusste Martin Herrenknecht, unternehmerisches Urgestein, der sich erfolgreich vom Ein-Mann-Betrieb zum Weltmarktführer bohrte, anhand von kernigen Schoten zu berichten. Herrenknecht, Jungheinrich, Würth, diese Firmen haben die China-Karte erfolgreich gespielt. Selbst der Gastgeber der Veranstaltung, die Bausparkasse Schwäbisch Hall, prägt derzeit ein neues Wort in China: „bausparen“. Auf Deutsch wohl gemerkt. So geht nach Wunderkind und Wirtschaftswunder vielleicht bald das deutsche „Bausparen“ in den weltweiten Sprachgebrauch ein.

Viel wurde unter den Weltmarktführern und denen, die es werden möchten, über China gesprochen. Über, aber nicht mit. Kein chinesischer Referent kürte die Veranstaltung, keine chinesischer Teilnehmer befand sich im Publikum. Was wäre es spannend gewesen, in der Chinadiskussion einen Schritt weiterzukommen, ein paar Ws zu thematisieren. Was sind das für Unternehmen, die neuerdings die Forbes-Liste erobern? Wie werden die Unternehmen geführt, wie ist ihre Expansionsstrategie, welcher kluge Kopf steckt dahinter? Wer entwickelt sich im Schatten des staatlichen Maschinenbau-Giganten Shenyang Machine Tools zu den chinesischen Hidden Champions der Maschinenbaubranche? Wohl kennen wir aus bekannten Gründen alle Sany , doch wer kennt schon Zoomlion ? Die Nummer Sieben der weltgrößten Baumaschinenhersteller, direkt nach Sany. Mehr aus China als über China hätte die Veranstaltung belebt.

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