Digitale Kommunikation·Social Media

Messenger überholen Social Networks: Warum es immer im Kleinen anfängt

Wir sind größer als Twitter“, verkündete Jan Koum, CEO von WhatsApp, zuletzt. Das passt zu den Meldungen aus Asien, die inzwischen LINE in Japan und Kakao Talk in Korea vor Facebook sehen. Die Messenger sind auf dem Vormarsch – und das sollten Unternehmen im Blick behalten. Denn wo hierzulande immer noch geglaubt wird, bei WhatsApp und Co. würde es sich um bessere SMS-Services handeln, ist LINE beispielsweise schon in der Welt der Brand Accounts angekommen.

Eine echte Bedrohung für Facebook und Co. Doch: Das (noch) größte Social Network der Welt hat bereits reagiert: Die sogenannten Chat Heads, die mit Facebook Home aufs Smartphone kommen, sind ein Ansatz von Facebook, die Vormacht der Newcomer in der Welt des zwischenmenschlichen Austauschs einzudämmen. Ein weiterer sind die schon fast dreist abgekupferten neuen „Sticker“, die man sich als Facebook Messenger Chatter runterladen kann. Eine 1:1 Übernahme, die direkt aus LINE zu kommen scheint. Nur sind die Bilder nicht so süß, wie beim japanischen Vorbild.

Warum aber sind LINE, WhatsApp und Co. so erfolgreich? Meiner Meinung nach kommen hier mehrere Faktoren zusammen: Zum einen ist die intime Kommunikation in der kleinen Gruppe noch immer die Urkeimzelle von „Social“. Als ich 2007 bei Twitter anfing, nutzte ich das „spätere Social Network“, das ja nicht als Broadcasting-Tool anfing, sondern als kleines SMS-Lagerfeuer für Freunde, als Google-Chat-Ersatz für den Austausch mit meiner späteren Frau. Erst langsam kamen andere Menschen hinzu, Gruppenchats entstanden. Ein lustiges kleines Lagerfeuer eben. Irgendwann kam dann „Social Müdia“, alles zu viel, Information Overload. Und Smartphones (die zur Zeit des Starts von Twitter, Facebook und Co. keine Rolle spielten). Das Zurück zum intimen Austausch unter neuen Vorzeichen, aber mit größerer Nutzerbasis, war die logische Folge. Sowohl für den „Normalo“, als auch für die digitale Avantgarde, die immer hin zum Kleineren flieht (wie ich 2009 schon einmal in einem Blogbeitrag beschrieben habe).

Was wir hier also erleben ist nichts anderes als die Facebook und Twitter Revolution auf Laptop / Browser-Basis vor 5 bis 6 Jahren. Nur diesmal geht es um die mobile Plattform. Facebook hat das mit dem aktuellen Facebook Home verstanden, wie Sascha Lobo vor kurzem richtig erkannt hat. Nur sehe ich in Facebook an dieser Stelle nicht denjenigen, der das „Socialphone“ definiert. Vielmehr reagiert Facebook auf die Konkurrenz, die den Chat-Ordner bereits besetzt. Und hat ein paar gute Ideen, wie es LINE, Kakao oder WhatsApp übertönen kann. Die nächsten Monate werden spannend. Denn die Social Web Landschaft wird sich wieder einmal dramatisch drehen.

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2 Replies

  1. Interessante Gedanken. Mir fällt dazu noch ein: Messenger wie Line sind vor allem auch viel schneller im Laden der Screen-Elemente, im Hochladen von Bildern und einfacher zu bedienen (Wechsel von Chat zu Anruf etc.) wie beispielsweise eine Facebook App. Und da immer mehr User heute soziale Netzwerke über ihr Smartphone nutzen, ist diese Trendwende auch gut nachzuvollziehen. Mir geht es selbst so.

  2. Denke auch, dass die einfache Bedienbarkeit, gefühlter besserer Datenschutz und einfacher nachvollziehbare Optionen, wer was sieht, FB hier mobil ziehmlich in Bedrängnis bringen werden.

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