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„Tell us how to do it”!

„We know China is different, we know China has its own rules, BUT…” Christine Dittrich unterstreicht das BUT demonstrativ mit einer abweisenden Handbewegung um zugleich zu ergänzen: „So dachten wir früher und führten eine Handvoll Argumente auf, weshalb China trotz aller kulturellen Unterschiede, den Kommunikationsvorgaben aus der Zentrale Folge leisten solle. Mittlerweile haben wir dazu gelernt und fragen erst einmal nach: China is different, so tell us how to do it”!

Dittrich ist eine der fünf Referenten, die im Rahmen eines Storymaker Workshops vergangene Woche in Stuttgart Tipps zu Kommunikation und Marketing im Reich der Mitte gaben. Sie verantwortet als Director Corporate Communications die internationale Kommunikation der Bosch Gruppe mit dem Ziel, eine einheitliche, und proaktive Kommunikation von Bosch weltweit zu erreichen. Und genau darin liegt die Herausforderung, die es auszubalancieren gilt: einerseits eine „One-Voice-Policy“ zu etablieren und anderseits proaktive Ideen aus den Landesniederlassungen zu fördern.

Mit der Entwicklung von Bosch in China hat sich auch die Kommunikationsarbeit gewandelt. In den 90er Jahren standen Kunden und Regierungsvertreter im Mittelpunkt, während im vergangenen Jahrzehnt Mitarbeiter, Geschäftspartner und Medienvertreter in den Fokus rückten. Aktuell hat Bosch vor allem junge Talente, die frühzeitig für Bosch begeistert werden sollen, im Blick sowie die so genannten „content generating user“.

„Alleine auf Sina Weibo, Chinas größtem Microblog, werden 100 Millionen Nachrichten am Tag abgesetzt. 500 Millionen User nutzen den Service“, erklärt Wenming Dai, Senior Reporterin bei dem Shanghai Wochenmagazin Oriental Outlook. „Die „New Rock Stars“ wie Sina Weibo und ganz aktuell WeChat nehmen als Kommunikationstool, auch bei B-to-B-Firmen, stark zu. Die Journalistin, die derzeit mit einem Stipendium der Nachrichtenagentur Reuters in Oxford studiert, räumt ganz nebenbei mit ein paar Vorurteilen über die chinesische Medienlandschaft auf. Natürlich gäbe es auch in China staatsunabhängige Medien wie die Wirtschaftsmagazine Caijing und Caixin.

Mit Blick in die Teilnehmerrunde, allesamt Kommunikations- und Marketingleiter, betont Dai: „Die meisten der deutschen Mittelständler kennen wir chinesische Journalisten nicht. Statt trockener Produkt-Shows wünschen wir uns eine emotionale Heranführung an das Unternehmen.“ Was ist die Geschichte hinter dem Unternehmen, was macht ein Traditions- oder Familienunternehmen aus, was unterscheidet es von all den anderen internationalen Firmen, die sich ebenfalls durch gute Qualität auszeichnen?“ Kurzum: Gefragt sind Emotionen, gute Stories, aussagekräftige Statistiken (aber bitte nicht zu viele!) und, ganz wichtig, der Bezug zum chinesischen Volk.

In seinem Vortrag „Wie erreiche ich die Entscheidungsträger“ wies Ken Fouhy von Vogel Business Media auf die Bedeutung von Kongressen hin. Weit mehr als in Deutschland dienen Kongresse in China zum Anbahnen von Geschäftskontakten und zum Netzwerken. Und ein erprobtes Mittel für Neueinsteiger in den chinesischen Markt seien Messen, so Frank-Dieter Keinath von bluepool. Doch egal für welche Maßnahmen man sich entscheidet, gilt es eines zu beachten: China ist groß, so groß wie Europa. Die richtige Auswahl der Medien, Messen, Kongresse und Kommunikationsbotschaften ist unerlässlich für eine zielgerichtete und erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit.

Und das Feedback von den Teilnehmern? „Ich habe Lust auf mehr bekommen“. „Tolle Referenten, vor allem Wenming Dai!“ oder schlicht „Wann geht der nächste Flug nach China?“

Der Workshop „Vom Weltmarktführer zum ‚Local Hero‘ in China“ organisiert von Storymaker in Kooperation mit dem bvik fand am 20. Juni in Stuttgart statt.

Christine Dittrich, Robert Bosch GmbH

Christine Dittrich, Robert Bosch GmbH

Wenming Dai, Oriental Outlook, Shanghai

Wenming Dai, Oriental Outlook, Shanghai

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