Digitale Kommunikation·Visuelle Kommunikation

Getty Images: Kostenlose Bilder für Corporate Blogs?

Seit letzter Woche ist es möglich, Bilder der Bildagentur Getty Images kostenlos in eigene Webbeiträge einzubauen. Doch nur sofern diese eindeutig redaktionell sind.

Das Prinzip ist aus YouTube bekannt: Über einen kleinen Programmcode wird das gewünschte Bild innerhalb des eigenen Textes angezeigt. Darunter ein nicht editierbarer Untertitel bestehend aus „Gettyimages“ und dem Namen des Fotografen sowie einigen Social Icons. So sieht das dann zum Beispiel aus:
[getty src=“467267015″ width=“507″ height=“407″] Das Angebot ist hochwertig und sehr groß. Zurzeit sollen etwas weniger als die Hälfte der etwa 80 Millionen Bilder für die Einbettung bereitstehen. Hier erklärt Getty Images, wie das Einbetten funktioniert.

Bevor man sich nun aber fleißig bedient, muss klar sein:

  • Bilder dürfen nur zu redaktionellen Zwecken eingebunden sein.
  • Die Bilder dürfen nicht kommerziell genutzt werden. Das heißt, die Bilder dürfen nicht Werbung für Dienste oder Produkte machen. Getty Images erklärt hier die Einzelheiten gegenüber dem British Journal of Photography.

Auszug aus den Nutzungsbedingungen:
„Sie dürfen eingebettete Getty Images-Inhalte nur zur redaktionellen Zwecken (also im Zusammenhang mit Ereignissen, die berichtenswert und von öffentlichem Interesse sind) verwenden. Nicht gestattet ist die Verwendung eingebetteter Getty Images-Inhalte: (a) für jegliche gewerbliche bzw. geschäftliche Zwecke (z. B. in Werbung, Marketing oder zum Verkauf von Waren) oder auf eine Weise, die eine Empfehlung oder Sponsoring impliziert“

Tipps zur Auslegung der Nutzungsbedingungen gibt die Rechtsanwaltskanzlei Schwenke in ihrem Blog.

Bei einem Corporate Blog ist die Grenze zwischen redaktionell und kommerziell oft fließend. Daher habe ich Getty Images bzw. deren Agentur dazu befragt und ein paar Beispiele geschildert. Fazit: Ein Corporate Blog stellt im Sinne der Getty Images Bestimmungen eine kommerzielle Nutzung der Bilder dar. Also dürfen die Gratis-Bilder dort nicht verwendet werden.

Beispiel 1: Ein Objektivhersteller führt einen Corporate Blog über Objektive und Fotografie allgemein. In einem Beitrag werden Tipps zur Wahl der passenden Brennweite für Landschaftsfotografie gegeben. Die Bilder zeigen unterschiedliche Landschaften.
Bewertung: Nur dann als redaktionell einzustufen, sofern keine Produktwerbung im Artikel enthalten ist.

Beispiel 2: Ein Softwareunternehmen betreibt einen Corporate Blog. Eine neue Lösung wird in einem Beitrag vorgestellt. Ein Bild zeigt einen Menschen am Computer.
Bewertung: Hier handelt es sich um einen kommerziellen Beitrag.

Beispiel 3: Eine Firma berichtet auf ihrem Corporate Blog von einem geplanten Firmenevent in München. Ein Bild zeigt die Silhouette der Stadt.
Bewertung: Hier handelt es sich um einen kommerziellen Beitrag.

Beispiel 4: Eine Firma plant die Expansion nach China. Ein Beitrag im Corporate Blog über die neue Niederlassung zeigt ein Bild von Shanghai.
Bewertung: Hier handelt es sich um einen kommerziellen Beitrag.

Wenn der eigene Blog hingegen klar redaktionell ausgerichtet ist, kann man ab sofort auf die Bilderwelt des größten Players der internationalen Bildagenturen zurückgreifen. Um sicher zu gehen sollte man im Einzelfall kritisch prüfen, ob die Kriterien erfüllt sind. Man sollte sich zudem bewusst machen, dass das jeweilige Motiv zu jeder Zeit (also auch wenn es eingebettet auf der eigenen Website erscheint) im Hoheitsbereich der Bildagentur verbleibt. Wenn nun also Getty Images dieses Bild löscht, sei es z.B. weil Nutzungsvereinbarungen mit dem Fotografen erlöschen, verschwindet es auch am Ort der Einbettung. Zudem behält sich Getty Images vor, Werbung innerhalb des Rahmens zu schalten und Nutzerdaten zu erheben.

Die Entscheidung von Getty Images ist ein Meilenstein im visuellen Social Web. Dass „Gratis“ zum erfolgreichen Geschäftsmodell wird hatte Internet-Vordenker Chris Anderson bereits 2009 in seinem Buch „Free“ angekündigt und mit vielen Beispielen plausibel gemacht. Für die Nutzer von Bildern wird das Leben einfacher und billiger.

Wie sich der Markt für Fotografen verändert, wird sich zeigen. Immerhin wird bei den verwendeten Bildern sehr prominent der Name des Fotografen angezeigt. Und Getty Images erwartet durch die höhere Reichweite seiner Bilder gleichzeitig auch einen Anstieg der gekauften Bildlizenzen.

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