Digitale Kommunikation

Reality-Shift: Glasshole versus Oculusmole

Bang. Da ist er, der nächste Paukenschlag von Facebook. Vor wenigen Stunden kündigte der Weltmarktführer in Social Networks, Besitzer von Instagram und WhatsApp die Übernahme von Oculus VR an, dem Unternehmen hinter der Kickstarter-Sensation und Virtual-Reality-Brille Oculus Rift. Ist das die Rückkehr des seit Jahren scheintoten Second Life? Ist es ein Angriff auf Google Glass? Oder ist es etwas komplett anderes? Eines ist klar: die Akquisition ist böse, weil Facebook eben das Böse ist, die Datenkrake. Natürlich werden jetzt die Spekulationen sprießen – und Facebook wird sich in aller Ruhe überlegen, was sie mit dem neuesten Familienmitglied anstellen werden. Wenn Mark Zuckerberg das nicht schon längst ganz genau weiß.

Eines scheint sicher: Die Übernahme von Oculus VR zeugt von einem Menschen- und Internetbild Facebooks, das sich fundamental von dem des Konkurrenten Google unterscheidet. Wo Google immer das „offene“ Internet propagierte, bemühte sich Facebook immer darum, ein eigenes Universum innerhalb des Internets zu bauen.

Google Glass ergänzt die Realität.

Wo Google Glass lediglich einen „Augmented Reality“ Layer über das offene Real Life legt (auch wenn Google selbst ungern von Augmented Reality spricht) ist die Oculus Rift Brille bislang ein komplett geschlossenes System. Ein eigener Kosmos. Und in seiner Social-Web-Ausformung künftig wohl eher ein Tummelplatz für Eigenbrötler, für Außenseiter, für Hikikomori, für Fans des Miiverse. Für Second-Life-Nostalgiker.

In Sachen Nerdtum kann sich Google jetzt vermutlich erst einmal entspannt zurücklehnen. Die Facebook-Oculusmoles werden die Glassholes aussehen lassen, wie konservative Versicherungsvertreter. Und gleichzeitig kann sich Oculus selbst auf eine Sturm der Entrüstung bei den Fans und Kickstarter-Unterstützern einstellen, die so froh waren, endlich ihr eigenes Grassroots-Hardcore-Gamer-Spielzeug zu haben. Das wird natürlich auch zu einer Diskussion der Alternativen führen – siehe den kurzfristigen Trubel um Threema im Zuge der WhatsApp-Übernahme durch Facebook. Und natürlich gibt es die auch. ZEISS (der Vollständigkeit halber: ein Kunde von Storymaker, allerdings in anderen Business Units) bietet seit langem mit dem cinemizer OLED eine spannende VR-Hardware, die auch für Gamer interessant ist.

Der ZEISS cinemizer in Aktion.

Der japanische SONY-Konzern setzt mit Morpheus künftig auf eine Brille, die nahtlos mit der Playstation 4 zusammenspielt und bietet bereits eine aktuelle Alternative an. Beide werden in den nächsten Wochen einen Berichterstattungs-Hype erfahren. Und trotzdem wird Oculus wohl sehr stark aus der Ankündigung hervorgehen – war die Brille bislang doch nur den Hardcore Gamern bekannt.

SONY VR-Brille an der Playstation 4.

Eines ist sicher: mit Virtual und Augmented Realities wird sich die Welt der Kommunikation künftig stärker als bisher befassen müssen. Auch wenn das nach der ersten Runde, dem kurzfristigen Second-Life-Trend, nicht mehr unbedingt zu erwarten war. Willkommen im Reality-Shift.

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