Digitale Kommunikation·Social Media·Videoproduktion

Vine: Revolution der bewegten Bilder?

Eine gute Story in bewegten Bildern zu erzählen – das braucht Zeit. Dachte ich zumindest. Bis ich das erste Mal Vine entdeckte.

Vine ist eine App, mit der Nutzer mobile Videos ohne aufwändige Postproduktion erstellen können. Die Aufnahme wird per Fingertipp auf das Display ausgelöst. So lassen sich einzelne Sequenzen einfach aneinander hängen – ganz ohne Schnitt und Nachbearbeitung. Sobald das Video fertig ist, kann es sofort hochgeladen werden und läuft dann im Loop ab. Klingt erst mal ganz einfach. Die Herausforderung: Das Video darf nur sechs Sekunden lang sein. In dieser kurzen Zeit eine Story zu erzählen, erfordert Kreativität und Übung. Denn um meine Story in sechs Sekunden auf den Punkt zu bringen, muss ich sie auf ihre Essenz reduzieren. Ein Vine zu produzieren, ist also eine gute Übung im Storytelling und macht jede Menge Spaß. So ist Vine innerhalb kürzester Zeit zu einer Spielwiese für Kreative geworden. Das Tribeca Film Festival #6secfilms kürt im April zum zweiten Mal die besten Vines. Doch nicht nur Filmemacher und Privatnutzer experimentieren mit den 6-Sekündern. Auch Unternehmen, besonders amerikanische, sind mit eigenen Kanälen auf der Plattform präsent. Das kurze Format eignet sich zum Beispiel für Live-Berichterstattungen, Produktdemonstrationen oder Mini-Werbeclips.

Ähnlich wie Twitter mit seinen 140 Zeichen unser Verständnis von kurzen Nachrichten veränderte, wirbelt Vine nun die Welt der bewegten Bilder durcheinander. Kein Wunder also, dass Twitter das Start-up im Januar 2013 gekauft hat. Ein cleverer Schachzug, denn Vine hat mit seinem Wachstum von 400 Prozent im ersten Halbjahr einen Traumstart hingelegt – mittlerweile tummeln sich knapp 40 Millionen Nutzer auf der Plattform. Als Netzwerk spielt Vine momentan eine eher untergeordnete Rolle, die mobilen Videos lassen sich aber mit #Hashtags und @Mentions versehen und mit einem Klick über Twitter, Facebook oder per E-mail verbreiten und in Websites einbetten. Wenige Monate nachdem Vine an den Start ging, hat Facebooks Instagram seine Videofunktion gelauncht. Im Gegensatz zu Vine gibt Instagram seinen Nutzern 15 Sekunden pro Video sowie einfache Nachbearbeitungsmöglichkeiten. Außerdem können Videos hochgeladen werden, die nicht mit der App aufgenommen wurden. Hinzu kommt, dass Instagram mittlerweile beachtliche 150 Millionen Nutzer auf seiner Plattform versammelt. Dennoch: Vine ist ein originärer Videodienst mit Kultstatus, der gerade durch seine Einschränkungen kreativ werden lässt. Die Instagram Videos sind hingegen eher eine praktische Zusatzfunktion des Foto-Netzwerkes.

Ob Vine oder Instagram – die ultrakurzen Videos entsprechen zwei Entwicklungen unserer Zeit: der sinkenden Aufmerksamkeitsspanne im Web und der steigenden Nachfrage nach bewegten Bildern. Unternehmen sollten für ihre Kommunikation die kurzen Videoformate auf jeden Fall im Auge behalten. Denn irgendwann wird auch dieser Trend aus den USA bei uns ankommen. Dort laufen die 6-Sekünder jedenfalls ab diesem Sommer schon im Kino. Übrigens: auch wir bei Storymaker haben Gefallen an dem kurzen Format gefunden. Beispiele sind hier zu sehen.

Mehr lesen:

Hinterlassen Sie den ersten Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.