Karriere

Mindestlohn: PR-Branche auf Billigheimer-Kurs?

Die Aufregung scheint groß: Einige Protagonisten der Public-Relations-Branche zetern, weil die Bundesregierung ab 2015 für Dauer-Praktikanten den Mindestlohn einführen will. Einzelne Agenturen, die möglicherweise für ihr Geschäftsmodell stark auf Langzeitpraktikanten angewiesen sind, und sogar der Branchenverband DPRG (dem Storymaker angehört) beklagen wortgewaltig den Chancen-Nachteil bei den Studierenden.

Storymaker begrüßt nicht nur das Gesetz, sondern hält es für lange überfällig. Agenturen, die Wert auf Qualität und eine gute Ausbildung legen, geraten immer mehr unter Preisdruck durch Mitbewerber, die viele Aufgaben von Praktikanten erledigen lassen. Man weiß in der Szene von Praktikanten, die sich nach ihrem Studium sogar völlig unentgeltlich ihre Sporen verdienen dürfen – teils über Monate und Jahre. Es gibt Agenturen, die mehr Praktikanten als festangestellte Berater beschäftigen. Hinzu kommt oft, dass nach dem Null-Euro-Praktikum eine bis zu 15-monatige Traineezeit angeschlossen wird zu einem Praktikanten-Monatsgehalt um die tausend Euro, gerade dort wo sich die Agenturen ballen ist dies kein Einzelfall. Wohlgemerkt sprechen wir hier von Absolventen eines mehrjährigen Studiums. Da fragt man sich, ab wann die jungen Leute auf eigenen Füßen stehen sollen, ab 40 aufwärts?

Praktika sind sinnvoll, um reinzuschnuppern. Natürlich lernt man eine komplexe Dienstleistung wie Kommunikation nicht in 2 Wochen kennen. Da lohnt sich kaum die Einarbeitung. Aber zwei oder drei Monate sind völlig ausreichend für die Orientierung wie für das gegenseitige Kennenlernen. Grundsätzlich soll honoriert werden, wenn gearbeitet wird. Wir stellen regelmäßige Praktikanten für zwei bis maximal 3 Monate ein, geben diesen jungen Menschen sinnvolle Tätigkeiten in Projekten und bezahlen sie deshalb auch. Für längere Mitarbeit haben auch studentische Aushilfen die Chance, einen Job auf Stundenbasis zu einem angemessenen – und das liegt über dem Mindestlohn – Gehalt zu erhalten, der ein Praktikum ersetzen oder ergänzen kann. Wer möchte, kann sich während des Studiums am Agenturleben aktiv beteiligen und den Projektteams über die Schulter schauen.

Das Jammern über das Gesetz hat noch eine andere Seite: Es ist immer wieder zu beobachten, dass PR-Agenturen ein gering entwickeltes Selbstbewusstsein an den Tag legen und sich in den Schatten von Marketing und Branding ducken. Seit Marketing den Content entdeckt hat, ist das nicht gerade besser geworden. „Jetzt nehmen sie uns auch noch die Butter vom Brot.“ Hallo? Wer kümmert sich denn seit Jahrzehnten um die Inhalte in der Unternehmenskommunikation, sorgt für eine glaubwürdige Wahrnehmung und hat sogar Medien entwickelt, die mit den Verlagszeitungen konkurrieren können? Ein falsches Zitat, eine negative Headline, ein Shitstorm hat mehr Wirkung als so mancher Auswuchs des „Content Marketings“. Vertrauen ist die größte Wertschöpfungsbasis, die ein Unternehmen verdammt schnell verspielen kann. Deshalb braucht es Selbstbewusstsein und nicht ein Signal nach außen, dass wir PRler sowieso die Billigheimer der Kommunikationsbranche sind.

Und weil das so ist, brauchen wir fundiert ausgebildete, engagierte, mit viel Knowhow begüterte Mitarbeiter. Zum Nulltarif bekommen wir diese aber nicht. Wir wünschen uns, dass „unser“ Verband hier etwas mehr unternimmt als ein laues Statement über „Individuelle Anpassungen“. Und wir wünschen uns eine kommunikative Unterstützung derjenigen, die gute Löhne zahlen und nicht das Hinnehmen von Praktikanten-Teams, die als Berater verkauft werden und nachhaltig dem Image der PR nicht helfen.

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