Fertigung

Gutes tun sie bereits – nur reden müssen sie noch drüber

Alljährlich Mitte Januar stellt sich eine urdeutsche Branche den Fragen der Presse: die Präzisionswerkzeugehersteller. Der Fachverband im VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) lädt zu seiner Jahrespressekonferenz. Immerhin, mittlerweile gibt es die Pressemappe tatsächlich digital auf einem Stick. Aber ansonsten quietscht die Veranstaltung von Konservativität. Das muss nicht schlecht sein. Im ehrwürdigen Hessischen Hof, vis-à-vis der Frankfurter Messe, verkünden die haupt- und ehrenamtlichen Verbandschefs Jahr für Jahr ähnliche Zahlen, aber fast immer mit steigender Tendenz. Die Produkte der Verbandsmitglieder sind weltweit gefragt und technologisch stets Spitze. Und selbst heftige Konjunkturausschläge nehmen die Werkzeuge-Spezialisten mit geradezu stoischer Gelassenheit hin, ereilen sie diese doch meist nur in gedämpfter Form.

Doch sie müssen aufpassen! Ihre Erfolge erzielen die Werkzeugehersteller immer weniger durch das eigentliche Produkt, dafür immer mehr durch das Engineering und den Service drum herum. Das ist auch gut so, denn Bohrer, Fräser, Spannfutter oder Tiefziehwerkzeuge in ordentlicher Qualität kann der clevere Einkäufer heute in fast jedem Winkel der Welt einkaufen. Aber das, was letztlich zum Erfolg führt, was dafür sorgt, dass die Qualität der gefertigten Produkte hoch und die Preise dennoch günstig ausfallen, ist das Wissen drum herum. Nur wer in den Prozessen wirklich zuhause ist, kann sie auch ausreizen – und das sind die deutschen Werkzeugehersteller.

Konnte wie fast immer positive Zahlen verkünden: die Führungsspitze des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im VDMA auf ihrer Jahrespressekonferenz im Januar in Frankfurt am Main mit (v. l.) Geschäftsführer Markus Heseding, dem Vorsitzenden Lothar Horn und seinem Stellvertreter Hans-Joachim Molka. In Zukunft dürfte es allerdings nicht mehr reichen, rein technologisch Weltspitze zu sein. Die Anbieter müssen immer öfter ihre Kunden bei der Gestaltung ihrer Prozesse unterstützen – das ist erklärungsbedürftig und kostet Geld.


Das erfordert jedoch viel mehr Kommunikation als früher, und zwar gleich in zweifacher Hinsicht. Zum einen technologisch. In Frankfurt vielen die Begriffe „Industrie 4.0“ und „Smart Factory“ erst auf beharrliches Nachfragen der Journalisten. Doch wer in der Welt von morgen noch die erste Geige spielen will, muss seine Produkte schon heute vorbereiten für ihre Digitalisierung. Sie müssen in der Lage sein, Informationen aus der Prozesskette entgegenzunehmen, zu verarbeiten, mit eigenen erfassten Daten zu ergänzen und weiterzugeben.

Ich meine damit aber auch die sprichwörtliche Kommunikation. Die Werkzeugehersteller müssen ihre Angebote rund um ihre Produkte wesentlich besser und ausführlicher erklären als bisher vielleicht einen simplen Bohrer. Und sie müssen den Wert Ihrer Arbeit deutlich machen. Denn noch läuft der Hase so, wie es ein Firmenchef beim Mittagessen erzählte: Die Leistung um das Produkt herum, das Engineering, der Service, würde in aller Regel als kostenlose Dienstleistung erwartet. Ein einziges Mal sei es ihm in seinem Berufsleben passiert, dass ein Kunde von sich auch Geld für Engineering-Leistung geboten habe.

Das sollte selbstverständlich werden! Aber dafür müssen die Werkzeugehersteller über ihren Schatten springen und viel mehr über ihre guten und wertvollen Leistungen sprechen, um sie zu verkaufen.

 Beitragsbild: VDMA / Schaeffler Gruppe

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