Story-Entwicklung·Storymaker

Spiel, Spaß und kreatives Storytraining

Was braucht man, um so richtig kreativ zu sein? Um Geschichten zu entwickeln und sich Ideen auszudenken?

Zeit. Inspiration, Input von außen. Meinungsaustausch, Brainstorming, intensive Gedankenspiele, Pausen. Die Fähigkeit, sich in andere Personen, in „Kunden“ und „die Zielgruppe“ hineinzudenken. Neue, gerne auch völlig absurde Situationen einfach mal durchspielen. Gar nicht so einfach.

Auch nicht für langjährige Storyexperten. Und so finden wir uns am Dienstagnachmittag im Waldgasthof Weiler Hütte bei Tübingen ein, alle gespannt, was es bedeutet, „ein bisschen Storysport“ zu treiben. Beim Warten variieren die Gespräche zwischen offener Neugierde und wildem Spekulieren. Wir begrüßen Robert Atzlinger, freier Schauspieler unter anderem am Theater Stuttgart.

Die Schauspielerei und Theaterkunst schafft es seit Jahrhunderten, ihr Publikum in einen ganz besonderen Bann zu ziehen. In all ihren Spielarten gelingt es ihr immer wieder, Geschichten zu erzählen, neu zu interpretieren. „Storytelling“ pur. Genau das lässt uns Thomas heute selbst spüren. Seine Art ist mitreißend, expressiv, macht Spaß. Wir sollen in kleinen Gruppen durch das Gelände wandern und mit einer bestimmten, sehr starken Intention möglichst genau Details wahrnehmen. Mit krimineller Energie zum Beispiel, oh, das Fenster dort ist aber leicht zu öffnen. Schau mal, da liegt der Kassenschlüssel und keiner im Raum… Oder misstrauisch, ängstlich, paranoid. Der da hinten, siehst du den? Der sitzt da schon zwei Stunden und trinkt an einem Bier. Verdächtig!

Zehn Minuten haben wir dafür Zeit, eine Aufwärmübung. Klar ist, es geht nicht um Realität. Es geht um Fantasie, Vorstellungskraft, Rollenspiele. Auch in der nächsten Aufgabe, die mit einem Namensspiel beginnt (Stell dich mit einem beliebigen, gerne negativen Adjektiv vor, das mit deinem Initial beginnt. Sucht euch eine Geste, die das Adjektiv beschreibt). Wir begrenzen unsere Sinne auf einen Hauptsinn, stellen uns vielleicht auch vor, welches Tier so lebt. Wir hören, sehen, riechen, tasten uns durch den Wald und schärfen diesen Sinn. Wir weisen uns Rollen zu, die in der Welt der Weiler Hütte funktionieren: Koch, Umweltschützerin, Wirt, Kellnerin, Investigativjournalist. Wir überlegen uns Leitsprüche, Phrasen, die typisch sind für den erdachten Charakter, Sätze, die wir vermutlich alle schon gesagt haben. Immer muss ich das machen! Die hören nie auf mich! Das schaffe ich ja nie… Das hab ich doch schon immer gesagt! Und überlegen uns, welche Stimmlage zum Charakter gehört. Leise flüsternd oder laut motzend?

So steht zwei Stunden später unsere Geschichte, als Gerüst, das Freiheiten lässt, so dass jeder seine Rolle ausleben und interpretieren kann.  Natürlich spielen wir unsere Geschichte auch, in kurzen Szenen, kleinen Gruppen, und lassen die Fantasie der anderen auf uns wirken.

Großartig war’s. Mehr davon! 🙂

  Fotos: © Sarah Söhlemann

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