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Was passiert, wenn alle guten Content machen?

Was passiert eigentlich, wenn alle Unternehmen gutes Content Marketing machen? Wenn das Internet und die Social Media Plattformen prall gefüllt mit gehaltvollen Inhalten sind? Was macht dann noch richtig guten Content aus? Dieser Frage gingen mehrere Vorträge beim D2M Summit am 11. Mai in Hamburg nach, den ich besucht habe. Fazit: Die einen plädieren für Magic Content, die anderen für „langweiligen“ Content. Die Frage nach der Story und der Experience wurde aber viel zu selten gestellt. Das sind meine Eindrücke zum Status Quo der Diskussion um Content Marketing:

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Gleich mehrere Referenten bemühten als Einstieg in ihre Präsentation ein provokantes Studienergebnis von Microsoft: In den vergangenen 15 Jahren ist die Aufmerksamkeitsspanne des Menschen von zwölf auf acht Sekunden gesunken. Das bedeutet, wir können uns mittlerweile weniger lange auf eine bestimmte Sache konzentrieren als ein Goldfisch – dem wird eine Aufmerksamkeitsspanne von immerhin neun Sekunden zugeschrieben. Schuld daran ist das vermeintliche Multitasking und die exzessive Smartphone-Nutzung mit all ihren Implikationen für den Content-Konsum. Gleichzeitig gibt es immer mehr Content – eine eindrucksvolle Visualisierung dafür liefert One Second on the Internet. Wie wird man also in dieser Flut von Content wahrgenommen? Und wie kann sich ein Unternehmen differenzieren?

“Guter” Content reicht heute nicht mehr – er muss “magic” – also herausragend und faszinierend sein. Das ist die These von Catriona McLaughlin, Principal Consultant Communication and Content, Namics.

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Wenn alle guten Content machen, bleibt nur Magic Content – Catriona McLaughlin, Principal Consultant Communication and Content, Namics. (Bild: KongressMedia)


Guter Content ist also kein Differenzierungsmerkmal mehr, der Kampf um Aufmerksamkeit ist erbitterter geworden. „Attention Span is Currency!“, heißt es so schön. Doch wie kreiert man Magic Content nun? Catriona McLaughlin rät zum Spielen, Spaß haben, ausgetretene Pfade verlassen, die anderen mitreißen. Kreieren, testen, besser werden, etwas Neues machen. Nicht stehenbleiben. Emotionale Inhalte schaffen. Das Besondere am eigenen Unternehmen finden.

Das Besondere finden? Das ist der Punkt, an dem ich aufhorche, denn jetzt wird es für mich als Storymaker spannend. Denn ist das Besondere an einem Unternehmen nicht seine Story? Sein authentischer Kern, aus dem sich konkrete Inhalte ableiten lassen? Um es kurz zu machen: Ja, ist es.  Ein Unternehmen muss seine Story „entdecken“ und leben, um sie authentisch und vielseitig kommunizieren zu können.

In seinem Plädoyer für „langweiligen“ Content zeigt Mark Pohlmann, Geschäftsführer MAVENS, die Grenzen des Content Marketing auf: „Wenn es wie Werbung aussieht, ist es Werbung.“ Und Werbung ist in Social Media nur selten ein Daumenstopper.

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Plädoyer für „langweiligen“ Content – Mark Pohlmann, Geschäftsführer, MAVENS (Bild: KongressMedia)


Was er mit „langweiligem“ Content eigentlich meint (aber nicht so cool klingt): Originären Content. Content, der Fragen zum Unternehmen und den Produkten beantwortet. Content, der den Bedarf und die Probleme und die Sehnsüchte der Zielgruppe aufnimmt, und das aus der Praxis. Stichwort Monitoring!

Es gilt also, nicht einfach nur über Produkte zu reden, sondern zu zeigen, was man mit den Produkten machen kann. Das weiß das Unternehmen nämlich am besten, und dürfte die Nutzer auch am nachhaltigsten interessieren. Sein Appell: „Erfinde keinen Content, sei Experte!“.

Bei Storymaker nennen wir das übrigens Storydoing.

Was in diesem Verständnis von Story und gutem Content bereits anklingt, ist die Entwicklung unseres Kommunikationsverhaltens heraus aus dem Information Age hin zum Experience Age. Dieser fundamentale Shift in der Online-Kommunikation erfordert in Zukunft noch mehr Storydoing als Storytelling. Die Story eines Unternehmens und sein Expertentum mit allen zur Verfügung stehenden Technologien tatsächlich zur Experience zu machen, und sei sie auch noch so flüchtig, weil sie live stattfindet, ist die Mammutaufgabe, vor der das Content Marketing steht. Ich hoffe, dass das beim nächsten D2M Summit eine Diskussionsplattform findet.

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Gute Stimmung und noch bessere Diskussionen. Das verschwommene da ganz unten rechts bin übrigens ich. (Foto: KongressMedia)


PS: Ich möchte auf jeden Fall eine Empfehlung für die Veranstaltung aussprechen (und wir sind weder verwandt noch verschwägert). Kongress Media schafft es immer wieder, spannende Konferenzen auf die Beine zu stellen. Sowohl der D2M Summit als auch das Monitoring FORUM ermöglichen eine frische Perspektive auf wiederkehrende Themen und bringen die Besucher mit inspirierenden Speakern in Kontakt. Danke dafür und bis zum nächsten Jahr!

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3 Replies

  1. […] Was passiert eigentlich, wenn alle Unternehmen gutes Content Marketing machen? Wenn das Internet und die Social Media Plattformen prall gefüllt mit gehaltvollen Inhalten sind? Was macht dann noch richtig guten Content aus? Dieser Frage gingen mehrere Vorträge beim D2M Summit am 11. Mai in Hamburg nach, den ich besucht habe. Fazit: Die einen plädieren für Magic Content, die anderen für „langweiligen“ Content. Die Frage nach der Story und der Experience wurde aber viel zu selten gestellt. Meine Eindrücke zum Status Quo der Diskussion um Content Marketing habe ich auf dem Storyblogger geschildert: http://www.storyblogger.de/2016/05/content-marketing […]

  2. Danke nicht nur für die Empehlung für die Veranstaltung, sondern auch die spannende Anregung! Ich kann das ganz gut bestätigen, wenn ich biei mir selbst beobachte, wem im Internet ich meine Aufmerksamkeit schenke. Es ist einfach viel zu viel, was man zu Gesicht bekommt. Da spielt eine große Rolle, dass ich den Eindruck erhalte entweder, es erfüllt ein besonderes Bedürfnis nach dem ich gerade suche, oder, es ist ein Mensch/Unternehmen, das mich mit Besonderer Authentizität und Werten überzeugt. Eine Geschichte kann dabei sehr hilfreich sein, das darzustellen, besser, als wenn man daraus Fakten macht… Liebe Grüße!

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