Digitalisierung·Storymaker

Willkommen in der Zukunft!

Was bleibt, was kommt? Die geschäftsführenden Gesellschafter von Storymaker, Heidrun Haug und Björn Eichstädt, sprachen auf der 15-Jahr-Feier der Agentur am 24. September über ihre Vision des Agenturgeschäfts von morgen. Mal ernst, mal mit einem Augenzwinkern.

Cornelia Geißler (CG): Storymaker hat sein 15-jähriges Jubiläum zum Anlass genommen einen Blick in die Glaskugel zu werfen. Heidi, wie sehen die Rahmenbedingungen für Kommunikation im Jahr 2031 aus?

Heidrun Haug (HH): In unserer Vision hat die Globalisierung Wirtschaft, Politik und unser tägliches Leben auf den Kopf gestellt. Unternehmen aus aller Herren Länder sind auf dem deutschen Markt aktiv. Allen voran chinesische Unternehmen, aber auch mexikanische, nigerianische, chilenische und vietnamesische. Diese buhlen als neue Wettbewerber um die Aufmerksamkeit der Zielgruppen und Multiplikatoren in Deutschland. Für sie werden wir künftig immer mehr arbeiten. Gleichzeitig verdrahten wir deutsche Unternehmen auf dem gesamten Globus. In unserem Szenario werden wir also international, mehrsprachig und multikulturell agieren müssen. Unser Team wird bunt sein, mit Mitarbeitern in den zentralen Zielmärkten der deutschen Technologiefirmen.

CG: Was müssen Agenturen in der Kommunikationswelt der Zukunft denn können, Björn?

Björn Eichstädt (BE): Die Aktivitäten unserer Kunden, werden sich komplett verändern und wir uns mit ihnen. Ich glaube, in Zukunft werden die meisten Produkte und Technologien mit 3D-Druckern hergestellt werden können, daher werden viel weniger große Fertigungsstätten und Standorte benötigt. Service wird durch Predictive Maintenance abgelöst, Vertrieb und Kundenkommunikation finden über Chatbots statt, neue Produkte lassen sich in der Virtual Reality ansehen und ausprobieren. Was dennoch vor Ort gebraucht wird, sind Kommunikatoren aus Fleisch und Blut. Agenturen wie Storymaker werden also zunehmend Menschen zusammenbringen. Die Stories, die wir morgen entwickeln, werden immer weniger Texte und immer mehr Kon-Texte sein. Wir werden interaktive Welten gestalten. Stories werden zu Erlebnissen, bei denen wir sehen, fühlen, hören, riechen und schmecken können.

CG: Welche Arten von Themen werden uns im Jahr 2031 beschäftigen?

HH: Statt Fakten und Wissen werden sich Spektakel, Skandale und Emotionen in den Vordergrund spielen. Ich fürchte auch, dass immer mehr Menschen in Scheinwelten abtauchen werden. Wie reagieren? Ich könnte mir vorstellen, dass Ethik-Marketing eine Renaissance erfahren wird – ein interessantes Betätigungsfeld für Storymaker, da solidarisches und verantwortungsvolles Handeln ganz fest in unserer Unternehmenskultur verankert sind. Wir würden in der Zukunft unsere interdisziplinären Teams mit Technologien aus der Gaming-Industrie losschicken, um starke Erlebnisräume durch Virtual-Reality-Ansätze zu entwickeln. Auf diese Weise wäre es möglich, dass Menschen aus verschiedenen Kulturen in virtuellen Welten den verantwortungsvollen Umgang miteinander – aber auch mit neuen Produkten und Leistungen erproben.

CG: Björn, welche Rolle werden deiner Meinung nach klassische Medien im Jahr 2031 spielen?

BE: Eine einzigartige und glaubwürdige Story wird nach wie vor die wichtigste Voraussetzung sein, um Aufmerksamkeit zu generieren. Gerade in einer Welt der Informationsübersättigung bleiben Medien glaubwürdige Multiplikatoren und Informationsbroker, wenn sie es richtig anstellen. Die Distributionswege wandeln sich jedoch. E-Reader werden mit der klassischen Zeitung verschmelzen. Zusätzlich wird glatte Fläche in den Haushalten als potenzielle Darstellungsfläche dienen. Diese werden sich fortlaufend selbst aktualisieren und interaktiv sein. Ich könnte mir vorstellen, dass YouTube – in allen seinen Weiterentwicklungsstufen von Video, über 360-Grad bis hin zu kompletter VR – und nicht mehr die Textplattform Ankerplattform für die klassischen Medienhäuser sein wird. Für Printmedien sehe ich jedoch wenig Hoffnung. Möglicherweise wird eine globale Allianz gegen den Klimawandel irgendwann dafür sorgen, dass Papierherstellung und -entsorgung für den Massenmarkt schlicht zu teuer wird.

CG: Wenn ihr fern von wirtschaftlichen Zwängen die Agentur der Zukunft bauen könntet, wie sähe sie aus?

Agentur im Grünen. Heute Schauplatz der 15-Jahr Feier – morgen fester Bestandteil der Storymaker-Aktivitäten?

Agentur im Grünen. Heute Schauplatz der 15-Jahr Feier – morgen fester Bestandteil der Storymaker-Aktivitäten?

HH: Mein Traum ist eine Agentur, die ein permanentes Lernprojekt bleibt. Ich hätte gerne eine Storymaker-Academy, in der wir mit neuen Technologien und Ansätzen experimentieren. Forscher, Kreative und Manager können dort Wissen aus verschiedenen Kulturen und Disziplinen zusammenwerfen. Ich würde auch die Organisation revolutionieren. Unsere Mitarbeiter würden in einem weitgehend sich selbst regulierenden System arbeiten. Ein Kern- und Lernteam operiert innerhalb eines Netzwerks aus Partnern und Freelancern. Zu meinem Agentur-Utopia gehört auch eine kleine Farm, in der wir Gemüse und Obst anbauen, Tiere halten und hin und wieder gemeinsame Freizeit verbringen – das wäre dann der Betriebsausflug der Zukunft.

BE: Wenn wir schon bei einem selbst regulierendem System sind: Ich setze auf Künstliche Intelligenz. Wie wäre es, wenn ein die meisten Feedbackprozesse automatisiert erfolgen? Die stetig lernende Datenbasis der Agentur wären die Erfahrungen und Best Practices der vergangenen Jahre. Für viele Standard-Aktivitäten werden daraus automatisch Verbesserungsvorschläge für Standardfragen kreiert. Die subjektive menschliche Einschätzung wird vor allem bei Einzel-Entscheidungen und strategischen Themen eine Rolle spielen. Dort wo das Gegenteil von Best Practices gefragt ist. Wo es um das Einzigartige, das Individuelle und Identitätsstiftende geht. Aber wer weiß, vielleicht macht das in 15 Jahren die Künstliche Intelligenz auch besser als wir Menschen. Dann machen wir das mit der Farm.

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