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10 Jahre Storymaker China – Wir sind noch da!

„Was? Du willst nach China? Dann setz dich in den Flieger und komm!“

So ungefähr endete mein Telefonat mit Udo Hoffmann, damals Inhaber des ersten deutsch-chinesischen Joint Venture für eine Eventagentur und einer der deutschen China-Pioniere in den frühen 90ern, der später ein hilfreicher Berater für uns wurde. Ich fühlte mich sofort heimatlich verbunden, weil er auch aus dem Schwabenländle kommt. Mit Gina Hardebeck, die als Sinologin schon zum Storymaker-Team gehörte, machte ich mich auf den Weg nach Peking. So begann die Abenteuerreise, deren Ziel wir damals noch nicht kannten. Storymaker hatte 2006 gerade mal 13 Mitarbeiter und war erst fünf Jahre im Agenturmarkt. Eröffnung ausländischer Büros poppte bei unseren mittelständischen IT-Kunden auf. Als der Technologieanbieter Schott uns fragte, ob wir eine Kommunikationsstrategie für Asien entwickeln können, stand fest: Bei diesem Sprung in die Globalisierung will ich nicht nur zuschauen, sondern mit der Agentur selbst dabei sein. Ni hao, China – wir kommen!

2007 eröffnete Storymaker als erste deutsche PR-Agentur eine Repräsentanz im German Center in Peking. Davor hatte sich Gina vor Ort durch die uns unbekannte und fremde Medienwelt Chinas gewühlt. Gemeinsam mit dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) brachten wir den ersten deutschsprachigen Medienführer zu Chinas Medienwelt heraus. Mit Kelly Liu Feiping hatten wir eine engagierte Managerin gefunden.

In diesen zehn Jahren wurden wir Zeuge einer Veränderung, die kaum ein Zukunftsforscher für möglich gehalten hätte. Das Reich der Mitte entwickelte einen sagenhaften Boom und stellt bis heute die Welt auf den Kopf. Wir haben die zehn Jahre Revue passieren lassen – ein Raketenstart in die Zukunft. Wer hätte gedacht, dass China zur führenden Wirtschaftsmacht auf dem Gebiet mobiler Geräte, digitaler Services wird, bei der Elektromobilität vorprescht und die Nummer 1 im Gaming-Markt wird. Kein anderes Land, auch nicht die USA, sind im Digital-Marketing heute so weit entwickelt wie China.

Auch als kleine Agentur aus Tübingen ist es uns manchmal schwindlig geworden. Wir haben gegen Edelman & Co., auch in China 100köpfig vertreten, Pitches gewonnen. Hurra! Standen dann vor der Herausforderung, dass wir mit 5 Personen gewichtige Kampagnen stemmen mussten. Wie den Expo-Auftritt der großen Kulturkampagne der Bundesregierung „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“, die Krisenkommunikation zur hier wie da umstrittenen Ausstellung „Kunst der Aufklärung“ oder die kommunikative Begleitung für die Car2Go-Einführung in China. Schöne Projekte, aufregende Zeiten. Für viele deutsche Mittelständler in China wurde Storymaker zur ersten Adresse, wenn es um glaubwürdige Öffentlichkeitsarbeit, PR-Events und Kommunikationskrisen ging. China wurde zu einem Alleinstellungsmerkmal der Agentur.

Ja, wir mussten auch die dunklen Seiten kennenlernen: Hong bao und Guanxi, die Begriffe für „geldwerte Vorteile“ unter dem Tisch, getürkte Pitches, permanente Personalwechsel, bis zu betrügerischen Machenschaften. Gut erinnere ich mich an den deutschen Journalisten, der uns einen roten Umschlag für seinen chinesischen Kollegen mit 20 Euro vorwarf – während er selbst auf Einladung eines deutschen Konzerns in Business Class nach Peking kam. Wer sauber ist, werfe den ersten Stein … China tickt anders, in vielerlei Hinsicht. Ich habe nie die Freude und den Glauben an chinesische Kollegen und Partner verloren. Was ich gelernt habe: Du musst den Menschen nah sein, die du führen und für eine Sache gewinnen willst. Die 8.000 Kilometer Entfernung waren für uns in den letzten Jahren die größte Herausforderung im Chinageschäft. Oft konnten wir sie überwinden, aber leider nicht immer.

Versuch eines Resümees: China hat uns voran gebracht. Als Agentur und jeden Einzelnen, der aktiv dabei war. Ein gigantisches Lernprojekt, bis heute. Die Neugier auf eine andere Kultur ist geblieben. Nach zehn Jahren sind wir mit Büros in Peking und in Shanghai präsent. In Deutschland ist unter der Leitung von Gina ein großes Chinateam herangewachsen, das deutsche Händler im Umgang mit den chinesischen Social-Media-Plattformen und in Digitalmarketing unterstützt. Unser Digital- und China-Knowhow ergänzen sich einzigartig.

Aktuell spürt man in China einen rauheren Ton gegenüber ausländischen Unternehmen. Manche Entwicklungen wie die Machtfülle von Xi Jinping, der Sozialkodex mit Gesichtserkennung und die Forderung nach Parteizellen in ausländischen Unternehmen werfen wieder mal Stirnrunzeln hervor. Keiner kann daran vorbei, dass sich mit Chinas Größe die Welt verändert hat. Wir können nur versuchen, dieses große und vielfältige Volk mit seinen enormen Marketing- und Kommunikationswerkzeugen besser zu verstehen. Dazu wollen wir auch in Zukunft beitragen. 勇者胜出!

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