Digitalisierung·Public Relations

„Wir bewegen uns weg von unserem klassischen Geschäftsmodell“

Den Wandel spürt man in allen Gesprächen: Die Redaktionen des 1952 gegründeten Verlags bereiten sich auf die digitale Zukunft vor. Rechtlich gehört der Fachzeitschriften-Verlag in Landsberg zum Geschäftsbereich Industrie des Süddeutschen Verlags – wie auch die Media-Manufaktur und der Energie-Informationsdienst. Mit dem „AUTOMOBIL PRODUKTION Kongress“, dem „Maschinenbaugipfel“ und dem Hydraulik-Gipfel“ richtet mi bedeutende Branchenevents aus. Stefan Waldeisen, Verlagsleiter des 120 Mitarbeiter zählenden Verlags, findet klare Worte zum Fachjournalismus.

Heidrun Haug: Wohin geht die Reise des Verlags, Herr Waldeisen?

Stefan Waldeisen: Wir denken darüber nach, ob die Bezeichnung „Verlag“ für unser Haus noch zeitgemäß ist. Wir sind heute viel mehr ein Zielgruppen-Provider. Der Kunde will seine Messages nicht nur in die Welt posaunen, sondern die richtigen Personen erreichen. Unser Geschäft der Zukunft entwickelt sich mehr und mehr in Richtung Performance-Marketing.

HH: Was bedeutet das?

SW: Es geht um die Messbarkeit von Kampagnen. Der Kunde bezahlt nicht mehr für die Kontaktchance, sondern für echte Kontakte. Für gute Ergebnisse müssen wir die Bewegungsdaten von jedem einzelnen User in unserer Datenbank analysieren. Beim Targeting sind wir heute bereits sehr gut.

HH: Das hört sich nach einem Abgesang auf die gute, alte Fachzeitschrift an.

SW: Mit unseren gedruckten Produkten erwirtschaften wir heute noch den größten Teil des Umsatzes. Von Abschied kann da nicht die Rede sein. Aber in 3-5 Jahren werden wir vom Anzeigenumsatz in Print weitgehend unabhängig sein. Wir können die Augen nicht davor verschließen, dass die Print-Erlöse zurückgehen. Die Kunden erwarten messbare Ergebnisse und diese können wir bei Print nur sehr ungenügend vorzeigen.

Stefan Waldeisen, Verlagsleiter verlag moderne industrie GmbH

 

HH: Welches sind Ihre neuen Geschäftsmodelle?

SW: Unser Ziel ist es, für den Kunden den besten Return zu bringen. In Form von Leads oder von Reichweite. Dafür bauen wir unsere Services aus und gehen stärker ins Agenturgeschäft.

HH: Ist das im Markt schon angekommen?

SW: Vor 2 Jahren haben wir eine Umfrage unter unseren Kunden gemacht. Von der Mehrheit wurden wir noch als Verlag wahrgenommen. Deshalb haben wir eine Webinar-Reihe aufgezogen, die zum Teil mehr als 1.000 Teilnehmer hatte: Hier erklären wir digitale Modelle, was bedeutet SEO, Content-Marketing etc. Wir müssen uns unseren Markt selber machen.

HH: mi gehört zu den traditionellen Fachverlagen in Deutschland. Wie nehmen Sie die Redaktionen bei dem Wandel mit?

SW: In den letzten zwei Jahren haben wir ein starkes zwölfköpfiges Online-Team aufgebaut. Die bestehende Belegschaft wird regelmäßig in Digital-Skills geschult. Unser digitales Geschäft hat ein Wachstum von über 30 Prozent! Das zeigt, dass wir hier gut vorankommen.

HH: Sehen Sie für Fachjournalismus noch eine Zukunft?

SW: Immer mehr Kunden setzen verstärkt auf PR. Darauf haben wir uns eingestellt und bieten ebenfalls Agenturleistungen an. Da das alte Spiel von Geben und Nehmen mit unseren Kunden vorbei ist, müssen wir uns fragen, wie viel unabhängigen Journalismus wir uns noch leisten können. Wenn niemand bereit ist dafür zu bezahlen, stirbt er. Unsere Vorteile gegenüber Agenturen sind der Zugang zu mehr als 400.000 Kontakten und die Content-Kompetenz unserer Redakteure. Dass die Kunden das sehr schätzen, zeigen unsere Content-Partnerschaften, die wir beispielsweise mit SAP und T-Systems haben.

HH: Wie sieht Ihr Szenario für 2022 aus?

SW: Maximal 50 Prozent unseres Geschäfts entfallen auf unsere klassischen Produkte. Im Digital- und Eventbereich sind wir stark gewachsen. Der Markt kennt und respektiert uns als multimedialer Dienstleister und Lösungsanbieter. Schon möglich, dass wir dann mit etablierten Marketing- und Eventagenturen im Pitch stehen.

HH: Welche Relevanz hat es, dass mi zum Süddeutschen Verlag gehört?

SW: Inhaltlich gibt es keine Kooperationen mit den Zeitungen. Gemeinsam genutzt werden nur die administrativen Bereiche. Mit der Media-Manufaktur arbeiten wir aber an gemeinsamen Ansätzen, die beidseitig für das Klientel interessant sind.

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